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Positionen der Eltern

Wir Eltern fordern:

Viel bessere Bildung für jede/n Schüler/in durch neues Bildungssystem!

Wer an unseren Kindern und Jugendlichen, an Bildung und Ausbildung spart, zerstört die Stützen unserer Gesellschaft!!

Unsere Kinder und Jugendlichen sind unsere Zukunft !!!

Der Familienalltag mit Schulkindern hat sich in den letzten Jahren spürbar verändert, da in der Schule immer mehr Leistung in immer weniger Zeit gefordert wird. Die Lernbedingungen haben sich gleichzeitig nicht verbessert, die Klassen sind häufig immer noch zu groß, die Ausstattung veraltet etc. Die Vergleichsarbeiten, frühe Auslese in der Grundschule und die Einführung von G8 bringen zusätzlich viel Stress in die Familien. Die verfügbare Freizeit hat sich für viele Schüler/innen durch immense Hausaufgaben-Mengen und zusätzliche Lern-Aufgaben stark verringert. Auch setzen die zahlreichen Tests und Arbeiten viele Schüler/innen unter zusätzlichen Druck und fördern unsinniges Bulimie-Lernen (Ein solches Lernen ist nur auf kurzfristigen Lernstoff-Konsum mit anschließendem „Ausspucken“ bei Tests oder Arbeiten ausgerichtet – im Langzeitgedächtnis kann so nichts verankert werden).

Wir Eltern wollen keine unzufriedenen Lern-Roboter, sondern fröhliche, gesunde und bewegungsfreudige Kinder und Jugendliche !!!

Herumtollen und Entdecken der Umgebung, die Pflege von Freundschaften, gemeinsame Unternehmungen, Vereinsmitgliedschaften u.a. haben deutlich abgenommen.

Bewegungsarmut und gesundheitliche Probleme hingegen nehmen bei den Kindern und Jugendlichen immer mehr zu.

Viele Eltern fühlen sich durch die häufig notwendigen Hilfen bei den Schulaufgaben, Nachhilfetätigkeiten u.a.m. überfordert.

In vielen Familien gibt es kaum noch lernfreie und entspannte Tage und Wochenenden. Auch in den Ferien wird oft nachgelernt und geübt. Die Nachhilfe-Institute verzeichnen in den letzten Jahren einen sprunghaften Zuwachs. Für zahlreiche Familien bedeutet dies zusätzliche zeitliche und finanzielle Belastungen und Einschränkungen, die auf Kosten des Familienlebens gehen. Immer mehr Familien können auch durch die Zusatzaufwendungen für Nachhilfe und Lernmaterialien nicht (mehr) in den Urlaub fahren. Die Folge: Die „soziale Schere“ geht immer weiter auseinander.

Bei den jetzigen Rahmenbedingungen in den deutschen Schulen kann trotz großer Bemühungen der Lehrkräfte kaum noch guter Unterricht und eine positive persönliche Entwicklung der Schüler/innen stattfinden, denn das Lernen ist verkürzt auf Pauken und gute Noten!!! Wer da nicht mithalten kann, fällt schnell durch das Raster – und endet häufig ohne Schulabschluss und bei Hartz IV.

Wir ELTERN wollen aber etwas ganz anderes!!! Wir wollen, dass jedes Kind, jede/r Jugendlicher unabhängig von der gesellschaftlichen Schicht und dem Einkommen der Eltern die gleichen Chancen hat, die individuellen Fähigkeiten und Fertigkeiten optimal zu entwickeln. Unsere Kinder und Jugendlichen benötigen Zeit und Raum zur freien Entfaltung, zur Förderung des selbständigen Denkens und Lernens. Und sie brauchen auch soziale Orientierungshilfen für ein partnerschaftliches Leben in einer demokratischen und sozialen Gesellschaft.

Deshalb lehnen Wir Eltern diese herrschende, neo-liberale, selektive und menschenverachtende Bildungspolitik, die unsere Kinder und Jugendlichen einseitig auf wirtschaftliche Verwertungsinteressen hin ausbildet und unter permanent hohen Druck setzt, entschieden ab!!!

Wir ELTERN fordern ein neues, gerechtes und kostenfreies Bildungssystem für ALLE Kinder, Jugendlichen, Auszubildenden und Studierenden!!!

Für das Leben lernen beinhaltet viel mehr als Unmengen an Lernstoff! Schulischer Erfolg und Schulabschlüsse dürfen nicht mehr auf die wirtschaftliche Verwertbarkeit der Person und einen gut bezahlten Job ausgerichtet sein, sondern müssen sich am Menschen mit seinen persönlichen Fähigkeiten orientieren.

Wir Eltern fordern

  • eine Neu-Definition von Lernen, Bildung und Ausbildung als Anfang für eine Neuorientierung unserer Gesellschaft, in der nicht das Geld, sondern endlich wieder der Mensch im Mittelpunkt steht!

Für uns beinhaltet gutes und pädagogisches Lernen und Lernerfolg viel viel mehr als gute Noten (die es ohnehin immer weniger und nur noch für wenige Schüler/innen gibt). Lernen wie wir es wollen, ist ein Lernen mit Zeit zum Nachdenken über den Lernstoff, ausprobieren, reflektieren, eigene Erfahrungen machen, mit Zeit für die Sinnsuche und einer individueller Meinungsbildung.

Unsere Kinder und Jugendlichen sollen nicht nur pauken, sondern endlich wieder Zeit für ihre eigene Entwicklung haben, zur Regeneration, zum spielen, musizieren, Sport treiben, Freunde treffen, chillen u.a.v.m.

Wir Eltern sehen dringenden Handlungsbedarf, denn unsere Schüler/innen sind keine Ware, sondern Menschen!

  • Wir brauchen ein neues Bildungskonzept in Deutschland und in Europa, das die Schüler/innen wieder in den Mittelpunkt des Lernens und des Lebens stellt, in der Zeit zum Lernen ist und die Lehrkräfte endlich wieder pädagogische Freiräume haben!!!
  • Wir brauchen ein Schulsystem, das die Schüler/innen gern besuchen und in der das Lernen freiwillig und motiviert stattfindet – der Erfolg ist dann gesichert!
  • Wir brauchen für unsere Kinder und Jugendlichen endlich ein völlig neu organisiertes Schul-/Bildungsystem
  • Wir brauchen mehr engagierte und motivierte Lehrkräfte
  • wir wollen viel weniger Verwaltung und Kontrolle, dafür mehr Zeit zum Lernen
  • Wir wollen fröhliche Kinder und Jugendliche, die sich gern bewegen und Spaß am Leben und Freude am Lernen haben!

Ein neues Bildungssystem braucht das Land!!!

  • Wir Eltern fordern bessere Lernbedingungen für unsere Kinder und Jugendlichen, Azubis und Studierenden und zwar in allen Bereichen der Bildung und Ausbildung!
  • Wir brauchen viel mehr Geld für Bildung und Ausbildung!


I.   Der neue Ansatz: Bildung und Ausbildung muss frei, kostenlos und offen sein für alle!

  1. Abschaffung des gegliederten Schulsystems (Haupt-/Real-/Förderschulen, Gymnasien) und völlige Neugestaltung eines einheitliches, gleichberechtigten Bildungsangebotes für ganz Deutschland/Europa!
  2. deutliche Verbesserung der finanziellen und personellen Ausstattung aller Kitas/Schulen und Unis.
  3. rasche und flächendeckende Entwicklung von echten, gebundenen Ganztagsschulen (umgehend beginnen mit mind. 1 Schule pro Schulform und Schulträger-Bezirk)
  4. eine umfassende Lernmittelfreiheit, d.h. eine vollständige und aktuelle Ausstattung mit allen notwendigen, aktuellen Fachbüchern und ergänzenden Lernmaterialien (Workbooks, Atlanten, Musik- und Kunstmaterialien etc.) und Heften u.a.m. für Bedürftige.
  5. kostenlose Schülerbeförderung für alle Schüler/innen bis zum erfolgreichen Schulabschluss!
  6. Schulgebäude, die freundlich und altersgruppengerecht gestaltet sind und große Klassenräume
  7. Schüler-Arbeits- und Aufenthaltsräume, Eltern-Gesprächsräume, Lehrer-Arbeitsräume, Schüler- und Lehrkraft-Bibliotheken  u.a.m. als Grundausstattung jeder Schule.
  8. kostenlose Betreuungsangebote durch Fachpersonal über das Unterrichtsangebot hinaus

II.   Schulzeit

Wir Eltern lehnen frühzeitige Auslese ab und fordern sofortiges, längeres gemeinsames Lernen und gleiche Chancen für alle nach skandinavischem Modell!

  1. Wir wollen, dass alle unsere Schülerinnen und Schüler ohne Selektion länger und gemeinsam lernen können, am besten gemeinsam bis zu 10. Klasse (d.h. mittleren Abschluss)
  2. Das Oberstufensystem G8 ist nicht ausgereift und sehr viele Eltern und Schüler/innen wollen weiterhin in 9 Jahren zum Abitur. Wir unterstützen die Forderung der Landesschülervertretung (LSV) und des Landeselternbeirates von Hessen (LEB) nach einer Schulzeitverkürzung für alle betroffenen Schulformen, d.h. wenn Verkürzung, dann nur in der Oberstufe und individuell nach 2 oder 3 Jahren.
  3. Wir brauchen zusätzlich zur verlängerten gemeinsamen Lernen auch einen neu organisierten Schulalltag, damit das lehren und lernen angenehmer werden (z.B. das Doppelstunden-System (Rhythmisierung), die gebundene Ganztagsschule u.a.m. weisen in die richtige Richtung).

III.   Unterrichtsqualität

Qualität von Unterricht: Lernen braucht Zeit, Begleitung, Kompetenz und Erfahrung

  1. Kleine Klassen in allen Schulformen und Jahrgängen
  2. Entschleunigung des Schulalltags, Rhythmisierung und sinnvolle Tagesstunden- und Wochenplanung, um die optimalen Lernphasen besser nutzen zu können
  3. weniger bzw. keine Hausaufgaben, sondern Übungsphasen integriert im Unterrichtsalltag
  4. Individuelle Förderung je nach Leistungsstand und Leistungsziel (Fördern und Fordern)
  5. Mindestens 115-120 % Personalabdeckung durch Lehrkräfte, zzgl. ausreichend Stunden für Sozialarbeiter und Schulpsychologen für jede Schule
  6. Wir wollen Integration statt Ausgrenzung und fordern daher die sofortige Umsetzung der UN-Richtlinien zur Inklusion (umfassende Integration von Behinderten auch im Schulalltag)
  7. Engagierte, motivierende Lehrkräfte, die ihren Unterrichtsstoff in der vorgegebenen Zeit erfolgreich vermitteln können
  8. Wertschätzender, partnerschaftlicher Umgang der Schüler/innen und Lehrkräfte untereinander
  9. Bildung von Lehrenden-Teams, die gemeinsam den Unterricht vor und nach bereiten sowie einander konstruktiv begleiten, um den Unterricht für alle angenehmer und erfolgreicher zu gestalten
  10. Wir brauchen endlich demokratische Schulstrukturen mit Mitentscheidungskompetenzen für Schüler/innen, Lehrkräfte und Eltern in allen wichtigen Fragen des Schulalltags und der Schulentwicklung. Einführung von Schulparlamenten als Entscheidungsorgan an jeder Schule

IV.   Gesundheit

Gesunde Schüler/innen lernen besser – schaffen wir die Grundlagen dafür!

Deshalb fordern wir:

  1. Schulen mit gesunder, ökologischer Lernumgebung als Standard für jedes Schulgebäude
  2. kostenlose Schulverpflegung für ALLE Schüler/innen inkl. Obst und Getränken (Milch, Wasser) in Schul-Mensen.
  3. mehr und regelmäßige Bewegungsangebote in allen Schulen und im Schulalltag
  4. mehr Zeit für Spiel, Sport und Spaß (Konzept der bewegten Schule)
  5. regelmäßige Wechsel zwischen Lern- und Entspannungsphasen bis zum Schulabschluss
  6. kind- und jugendgerechte Möblierung und Ausstattung der Schulen
  7. Wasser-Trinkautomaten in jede Schule (d.h. gekühltes Leitungswasser zum selber zapfen)
  8. Wir unterstützen, dass die Schüler/innen während des Unterrichts Wasser trinken dürfen.

Unsere verschiedenen Bildungssysteme in Deutschland verändern sich erst, wenn  WIR GEMEINSAM, als Eltern, Schüler/innen, Studierende, Auszubildende und Lehrende uns zusammen tun und gemeinsam auf die Straße gehen und immer wieder und aktiv uns einsetzen für ein neues Bildungssystem!!!

Deshalb:

Stellen wir uns gemeinsam gegen den derzeitigen Bildungsalltag
Demo am 09.06.
Treffpunkt: 13.15 Uhr Leopold Lucas Str. / Gesundheitsamt

Bildungsstreik 2010; Bundesweiter Aktionstag am 09.06.2010

Positionen der Schüler_innen

Eine Schule soll

  • ein Ort sein, an dem jeder/m SchülerIn die Chance hat zu lernen. Dafür muss es eine Gemeinschaftsschule geben. An dieser Schule können ALLE SchülerInnen lernen.
  • so gestaltet werden, dass die SchülerInnen die Schule mit ihren Lehrern gestalten, dies bedeutet sie entscheiden mit, wie ihre Schule aussieht und sich entwickelt.

Der Unterricht soll

  • so gestaltet werden, dass die SchülerInnen die Möglichkeit haben, ihre Stärken zu zeigen und in dabei gefördert werden.
  • gleichzeitig sollen SchülerInnen grundlegende wichtige Eigenschaften und Fähigkeiten lernen. Dabei ist es wichtig, dass geeignete Bedingungen gegeben sind. Dies bedeutet: kleine Lerngruppen, aktuelles Lernmaterial und funktionierendes Lehrmaterial z.B. zur Visualisierung von Lerninhalten.

Besonders die Schulzeit ist wichtig zur Entfaltung und Entdeckung seiner eigenen Persönlichkeit und seiner Stärken, dafür muss Raum gelassen werden.
Dies bedeutet,

  • kein Leistungs- und Prüfungsstress, der nicht zu bewältigen ist und
  • Wiederenführung von G9.

Wenn diese Punkte umgesetzt werden würden (und dies bedeutet defacto: mehr Mitbestimmung für alle Schüler, Einführung der Gemeinschaftsschule, kleinere Klassen, bessere Ausstattung für die Schulen und Abschaffung von G8), entstände eine Schule, in die man wieder gerne gehen würde und in der  man wieder gerne vieles lernen möchte!

Es kribbelt!!!

Bildungsstreik – Camp steht!!

Seit letzte Nacht steht das Protest-Camp vor dem Hörsaalgebäude (Biegenstraße). Dieser entstande Freiraum dient als Anlaufstellle für alle (Schüler_innen, Studis, Eltern, einfach alle) die Fragen zum Bildungsstreik haben, sich informieren wollen oder einfach in lockerer Runde über gesellschaftliche, philosophische, bildungspolitische oder sonstige interessante Themen unterhalten möchte.

Kommt einfach mal vorbei – sei es nur für 5 Minuten oder mit Zelt und Schlafsack für die ganze Woche ;)

Die aktuellen Termine in Marburg im Zusammenhang mit dem Bildungsstreik gibt es hier. Der aktuelle Überblick kann auch hier als Flyer heruntergeladen werden.

Kontaktiert werden kann das lokale Bildungsstreikbündnis unter: bildungsstreik.marburg[at]gmail.com

Es geht los!

Stündlich kommen nun Nachrichten aus anderen Städten herein.

Unter anderem wurde das Seminar für Ethnologie in Halle sowie ein Gebäude der FU Berlin besetzt. In Bochum werden Teile der Ruhr Uni blockiert und in Heidelberg wird außerdem das Philosophische Seminar besetzt gehalten. In diesem Zusammenhang wurde folgende Presseerklärung veröffentlicht:

== „Philosophie lässt sich nicht auswendig lernen“ ==
Pressemitteilung der Freien Fachschaft Philosophie vom 15. Juni 2009

„Philosophie kann man nicht auswendig lernen”, „Credit Points = Fesseln für den lebendigen Geist” und „Freie Bildung für alle”, das sind die Sprüche auf den Plakaten, welche an den Außenwänden des philosophischen Seminars in Heidelberg im Wind flattern.

Seit dem Morgen des 15. Juni ist das Philosophische Seminar der Uni Heidelberg besetzt, nachdem die Studenten und Studentinnen schon am Sonntag Abend die Arbeit begannen und die Nacht im Institut verbrachten. Die Eingänge zu den Dozierendenzimmern sind mit Absperrband versperrt, über der Tür zur Bibliothek hängt ein großes Banner mit ‚geschlossen‘, überall sieht man den Schriftzug ‚besetzt‘. Reguläre Veranstaltungen werden in der Woche vom 15. bis 19. Juni nicht stattfinden, stattdessen gibt es ein Alternativprogramm. „Dies ist ein Warnsignal an Universität und Politik,“ so die Stellungnahme der Studierenden, „wir wollen, dass sich endlich etwas bewegt.”

Die Studierenden fordern eine Überarbeitung der neuen Prüfungsordnungen, die im Rahmen des Bolognaprozesses für die neuen Bachelor und Masterstudiengänge auch für Geisteswissenschaften eingeführt wurden. Das Bachelor-System in seiner derzeitigen Ausgestaltung sei für ein Philosophiestudium nach Erfahrung der StudentInnen vollkommen ungeeignet. Von den vier bisher gestarteten Bachelor Jahrgängen sind derzeit noch knapp 60 Studierende eingeschrieben, für mehr als 2/3 der Studierenden war spätestens nach dem vierten Semester klar, dass sie das Studium nicht beenden werden.
Doch auch die finanzielle Situation am Seminar ist dramatisch. „Mit Einführung der Studiengebühren will sich das Land, wie befürchtet, Stück für Stück aus der Finanzierung der Universität zurückziehen,“ so Daniel Rübel, Student am philosophischen Seminar und Fachschaftsmitglied. Nicht einmal die gesetzlich geforderte Finanzierung des Regelbetriebes ist sichergestellt. Langfristig befürchten die Studierenden einen weiteren Rückzug des Landes aus der Finanzierung von Bildung. Eine Anhebung der Studiengebühren und die damit verbundende folgende soziale Elitebildung an den Universitäten wären die unmittelbaren Folgen.

„Philosophie ohne Ethik (-Professur) ist Bilden ohne Verantwortlichkeit”, so ein weiteres Plakat im Innenhof der Neuen Uni. Damit beklagen die Studierenden den Mangel an angemessenen Seminaren für die LehramtsstudentInnen des Studiengangs Philosophie/Ethik. Vom Oberschulamt verlangte Veranstaltungen werden nicht ausreichend oder gar nicht angeboten. Dabei ist gerade in der heutigen Zeit, in welcher das Schulfach Ethik aufgrund der kulturellen Vielfalt in Deutschland immer wichtiger wird, eine qualifizierte Ausbildung von Ethiklehrern und -lehrerinnen essentiell.
Darüber hinaus bleibt auch die Demokratisierung der Universität ein Schwerpunkt. Forderungen nach einer Verfassten Studierendenschaft, direkte Einwirkungen auf Personal- und Lehrplanentscheidungen sowie der Ausbau der regulären Lehre und inhaltliche Ausweitung der Lehrpläne sind den Studierenden wichtig.

Die Studierenden, die sich auch für bessere Lehr- und Arbeitsbedingungen im Mittelbau und bei den Professoren einsetzen, begrüßen die Solidarisierung vieler Dozenten mit ihren Forderungen und Vorgehen. „Lehrkörper und Studierende sind aufeinander angewiesen. Dies ist die einmalige Möglichkeit, zusammen Ziele zu erreichen, die jeder von uns zwar anstrebt, die man alleine jedoch nicht verwirklichen kann.”, so Stella Schmoll.

Heidelberg, 15.Juni 2009

Aktuelle Informationen: http://philostreik.wordpress.com

Bundesweite Presseerklärung

Auch auf bundesweiter Ebene wurde heute folgende Presseerklärung an viele Medien geschickt:

Bundesweiter Bildungsstreik in über 80 Städten hat begonnen

Im ganzen Bundesgebiet finden Kundgebungen, Debatten und Besetzungen an Bildungseinrichtungen statt. Die Betroffenen der Bildungsmisere setzen sich zur Wehr und gestalten ihre Bildung neu: Inhaltliche Auseinandersetzung gepaart mit vielfältigem Protest. Am Mittwoch werden dezentrale Demonstrationen in ganz Deutschland stattfinden.

Am heutigen Montag wurden bereits Universitätsgebäude besetzt (beispielsweise in Heidelberg, Berlin und Hamburg) und blockiert (Wuppertal, Bochum), Protestcamps mit alternativen Lernveranstaltungen eröffnet (München, Trier, Flensburg, Münster, Saarbrücken, Marburg, Würzburg, Freiburg, Bielefeld). In Düsseldorf findet zur Stunde ein Sit-In vor der Staatskanzlei statt, in Stuttgart eine Kundgebung. Jedem Studierenden wird in Weingarten ein symbolischer Beitrag von 20 Cent für Skripte zurückgezahlt. “Unser Unterricht stinkt” heißt es bei Aktionen in Duisburg und Essen. In Greifswald schlug der “Exmatrikulator” zu und entfernte zahlugsunfähige Studierende aus Seminaren. In über 90 Städten startete heute der Bildungsstreik.

Weitere Informationen stets über den Live-Ticker: www.bildungsstreik2009.net/ticker

In den nächsten Tagen werden Studierende, Schüler_innen, Lehrende, Dozierende, Eltern, Gewerkschaften und andere sozialen Gruppen die Missstände an Bildungseinrichtungen deutlich artikulieren und weitgehende Veränderungen einfordern.

Alternative Lehrveranstaltungen, Demonstrationen, Vorträge, Diskussionen, kulturelles Programm, bunte Aktionen und Akte des zivilen Ungehorsams werden in dieser Woche die inhaltliche Auseinandersetzung über den gesellschaftlichen Stellenwert von Bildung in den Fokus der Aufmerksamkeit rücken, der spürbare Protest wird dem Diskurs Nachdruck verleihen.

Getragen wird der Bildungsstreik von einer breiten Basis aus dezentralen Bündnissen. Seit über einem halben Jahr findet eine intensive Vernetzung und inhaltliche Koordination der lokalen Bündnisse statt. “Die Zustände vor Ort konnten so mit den strukturellen Ursachen der Bildungsmisere verbunden und ein gemeinsamer, übergreifender Protest von verschiedenen Gruppen in dieser Woche organisiert werden”, fasst Laura Klink aus Trier den Charakter des Bildungsstreiks zusammen.

Den Beteiligten am Bildungsstreik geht es um eine Bildung, die zur kritischen Reflexion befähigt, sich an gesellschaftliche Bedürfnissen orientiert und Theorie und Praxis verbindet.

Von Bedeutung sind für die Schüler_innen und Studierenden dabei insbesondere die Demokratisierung des Bildungssystems, die Abschaffung des Bachelor- und Masterstudiums in der derzeitigen Form, die Abschaffung des mehrgliedrigen Schulsystems, kleinere Klassen, die soziale Öffnung der Hochschulen, die Verbesserung der Lehr- und Lernbedingungen und ein Ende des Einflusses der Wirtschaft in allen Bildungseinrichtungen.

Entscheidend dafür sind neben einer ausreichenden Finanzierung darüber hinausgehende strukturelle Veränderungen, welche ein grundlegend anderes Bildungsverständnis erfordern.

“Eine Gesellschaft mit einem der selektivsten Bildungssysteme, welches Lernende nicht dazu befähigt, sich kritisch mit vermittelten Inhalten auseinander zu setzen, ist keine Demokratie!”, so Mo Schmidt aus Marburg. Weiter führt er aus: “Der Kampf für ein alternatives Bildungssystem ist ein Kampf für eine wahrhafte Demokratie, deswegen geht Bildung uns alle an.”