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Aufruf: Freie Bildung für ein freies Leben – Kürzungen aktiv entgegentreten!

“Freie Bildung für ein freies Leben – Kürzungen aktiv entgegentreten!”

Auf vielen Ebenen des Bildungssystems ist ein Wandel mehr als nötig. Vom Kindergarten, über die Schulzeit bis zur Hochschule sind krank machender Leistungsdruck, zunehmende Entdemokratisierung der Bildungseinrichtungen, Schulzeit- und Verkürzung der Studiendauer, soziale Selektion, schlechte Lern- und Lehrbedingungen nur einige Symptome. Ähnliche Entwicklungen können auch in vielen anderen gesesllschaftlichen Zusammenhängen beobachtet werden (Betriebe, öffentliches Gesundheitswesen).

Die neulich angekündigten Haushaltskürzungen für Schulen und Hochschulen verschärfen diese Entwicklung zunehmend.

Doch nicht nur die Bedingungen im Bildungswesen verändern sich: Auch die Lehrinhalte werden zunehmend von ökonomischen Gesichtspunkten bestimmt. In den Schulen geht das besonders auf Kosten der musisch-künstlerischen Fächer. Über die Vergabe von Drittmitteln, Stipendien und Sponsoring nimmt an den Hochschulen der Einfluss der Wirtschaft auf Forschung und Lehre weiter zu. Im Hessischen Hochschulgesetz (HHG) gibt es bereits einen Paragraphen (§8, Abs.1), welcher die Hochschulen dazu verpflichtet Drittmittel einzuwerben. Im selben Zuge werden die Mitbestimmungsmöglichkeiten und Freiheiten der Lernenden und Lehrenden zugunsten der Macht von Rektor_innen, Präsidien und externen Gremien beschnitten und somit unternehmerische Strukturen etabliert.

Schauen wir uns diese Entwicklung an, so drängt sich unweigerlich die Frage auf, welche Funktionen das Bildungssytem für die Gesellschaft erfüllen soll: Die Befähigung, sich kritisch mit seinem Umfeld auseinander zu setzten und dieses verstehen zu lernen, oder doch eher Passivität, Gehorsam und Unterwürfigkeit zu fördern? Und was ist mit der Selektionsfunktion?

Als Schüler_innen, Studierende und Auszubildende und teilweise sogar schon im Kindergarten stehen wir im direkten Wettbewerb zueinander. Ein Wettbewerb um wenige Gymnasien-, Ausbildungs- und Studienplätze sowie die Möglichkeit die eigene Arbeitskraft auf dem Markt zu verkaufen. Ein Wettbewerb, der die „Leistungsschwachen“ und Unangepassten aussiebt und ihnen damit die Möglichkeit auf Teilhabe an vielen Bereichen der Gesellschaft verwehrt. Ein Wettbewerb, um den Wirtschaftsstandort zu stärken. Ein Wettbewerb, in dem alle Menschen und Regionen weltweit gegeneinander konkurrieren statt miteinander zu wirken.

Im vergangenen Jahr fanden im Rahmen des „Bildungsstreiks“ in über 100 Städten zahlreiche Aktionen statt, sehr viele Menschen gingen für ein anderes Bildungssystem auf die Straße, Hörsäle und Klassenzimmer in mehr als 70 Einrichtungen wurden von Schüler_innen und Studierenden zeitweise besetzt gehalten.

Es geht weiter, bis die Missstände behoben sind und wir eine freie und emanzipatorische Bildung für alle haben!

Am Mittwoch, 09.06.2010 werden im Rahmen des „bundesweiten Bildungsstreiks“ erneut viele Menschen in allen 16 Bundesländern gemeinsam gegen die vorherrschenden Umstände vorgehen.

09.06. Großdemonstration in MR
„Freie Bildung für ein freies Leben – Kürzungen aktiv entgegentreten!“

Startpunkte: 13.00h vor der Mensa Erlenring &
13.15h Leopold Lucas Str./ Gesundheitsamt

Zwischenstop: 13.45h Marktplatz
Abschluss: 14.45h Firmaneiplatz

Gemeinsam gegen Schulstress und Leistungsdruck, gegen G8, „Bologna-Prozess“ (europaweite Reformbemühungen im Hochschulbereich), Haushaltskürzungen, Entdemokratisierung, Privatisierung und Drittmittelzwang entgegentreten! Gemeinsam für demokratische Bildungseinrichtungen und freie, emanzipatorische Bildung für alle!

Don’t panic – get organized!

www.bildungsstreik-marburg.dekontakt@bildungsstreik-marburg.de (lokal)

www.bildungsstreik.net (bundesweit)

www.emancipating-education-for-all.org (global)

Positionen der Eltern

Wir Eltern fordern:

Viel bessere Bildung für jede/n Schüler/in durch neues Bildungssystem!

Wer an unseren Kindern und Jugendlichen, an Bildung und Ausbildung spart, zerstört die Stützen unserer Gesellschaft!!

Unsere Kinder und Jugendlichen sind unsere Zukunft !!!

Der Familienalltag mit Schulkindern hat sich in den letzten Jahren spürbar verändert, da in der Schule immer mehr Leistung in immer weniger Zeit gefordert wird. Die Lernbedingungen haben sich gleichzeitig nicht verbessert, die Klassen sind häufig immer noch zu groß, die Ausstattung veraltet etc. Die Vergleichsarbeiten, frühe Auslese in der Grundschule und die Einführung von G8 bringen zusätzlich viel Stress in die Familien. Die verfügbare Freizeit hat sich für viele Schüler/innen durch immense Hausaufgaben-Mengen und zusätzliche Lern-Aufgaben stark verringert. Auch setzen die zahlreichen Tests und Arbeiten viele Schüler/innen unter zusätzlichen Druck und fördern unsinniges Bulimie-Lernen (Ein solches Lernen ist nur auf kurzfristigen Lernstoff-Konsum mit anschließendem „Ausspucken“ bei Tests oder Arbeiten ausgerichtet – im Langzeitgedächtnis kann so nichts verankert werden).

Wir Eltern wollen keine unzufriedenen Lern-Roboter, sondern fröhliche, gesunde und bewegungsfreudige Kinder und Jugendliche !!!

Herumtollen und Entdecken der Umgebung, die Pflege von Freundschaften, gemeinsame Unternehmungen, Vereinsmitgliedschaften u.a. haben deutlich abgenommen.

Bewegungsarmut und gesundheitliche Probleme hingegen nehmen bei den Kindern und Jugendlichen immer mehr zu.

Viele Eltern fühlen sich durch die häufig notwendigen Hilfen bei den Schulaufgaben, Nachhilfetätigkeiten u.a.m. überfordert.

In vielen Familien gibt es kaum noch lernfreie und entspannte Tage und Wochenenden. Auch in den Ferien wird oft nachgelernt und geübt. Die Nachhilfe-Institute verzeichnen in den letzten Jahren einen sprunghaften Zuwachs. Für zahlreiche Familien bedeutet dies zusätzliche zeitliche und finanzielle Belastungen und Einschränkungen, die auf Kosten des Familienlebens gehen. Immer mehr Familien können auch durch die Zusatzaufwendungen für Nachhilfe und Lernmaterialien nicht (mehr) in den Urlaub fahren. Die Folge: Die „soziale Schere“ geht immer weiter auseinander.

Bei den jetzigen Rahmenbedingungen in den deutschen Schulen kann trotz großer Bemühungen der Lehrkräfte kaum noch guter Unterricht und eine positive persönliche Entwicklung der Schüler/innen stattfinden, denn das Lernen ist verkürzt auf Pauken und gute Noten!!! Wer da nicht mithalten kann, fällt schnell durch das Raster – und endet häufig ohne Schulabschluss und bei Hartz IV.

Wir ELTERN wollen aber etwas ganz anderes!!! Wir wollen, dass jedes Kind, jede/r Jugendlicher unabhängig von der gesellschaftlichen Schicht und dem Einkommen der Eltern die gleichen Chancen hat, die individuellen Fähigkeiten und Fertigkeiten optimal zu entwickeln. Unsere Kinder und Jugendlichen benötigen Zeit und Raum zur freien Entfaltung, zur Förderung des selbständigen Denkens und Lernens. Und sie brauchen auch soziale Orientierungshilfen für ein partnerschaftliches Leben in einer demokratischen und sozialen Gesellschaft.

Deshalb lehnen Wir Eltern diese herrschende, neo-liberale, selektive und menschenverachtende Bildungspolitik, die unsere Kinder und Jugendlichen einseitig auf wirtschaftliche Verwertungsinteressen hin ausbildet und unter permanent hohen Druck setzt, entschieden ab!!!

Wir ELTERN fordern ein neues, gerechtes und kostenfreies Bildungssystem für ALLE Kinder, Jugendlichen, Auszubildenden und Studierenden!!!

Für das Leben lernen beinhaltet viel mehr als Unmengen an Lernstoff! Schulischer Erfolg und Schulabschlüsse dürfen nicht mehr auf die wirtschaftliche Verwertbarkeit der Person und einen gut bezahlten Job ausgerichtet sein, sondern müssen sich am Menschen mit seinen persönlichen Fähigkeiten orientieren.

Wir Eltern fordern

  • eine Neu-Definition von Lernen, Bildung und Ausbildung als Anfang für eine Neuorientierung unserer Gesellschaft, in der nicht das Geld, sondern endlich wieder der Mensch im Mittelpunkt steht!

Für uns beinhaltet gutes und pädagogisches Lernen und Lernerfolg viel viel mehr als gute Noten (die es ohnehin immer weniger und nur noch für wenige Schüler/innen gibt). Lernen wie wir es wollen, ist ein Lernen mit Zeit zum Nachdenken über den Lernstoff, ausprobieren, reflektieren, eigene Erfahrungen machen, mit Zeit für die Sinnsuche und einer individueller Meinungsbildung.

Unsere Kinder und Jugendlichen sollen nicht nur pauken, sondern endlich wieder Zeit für ihre eigene Entwicklung haben, zur Regeneration, zum spielen, musizieren, Sport treiben, Freunde treffen, chillen u.a.v.m.

Wir Eltern sehen dringenden Handlungsbedarf, denn unsere Schüler/innen sind keine Ware, sondern Menschen!

  • Wir brauchen ein neues Bildungskonzept in Deutschland und in Europa, das die Schüler/innen wieder in den Mittelpunkt des Lernens und des Lebens stellt, in der Zeit zum Lernen ist und die Lehrkräfte endlich wieder pädagogische Freiräume haben!!!
  • Wir brauchen ein Schulsystem, das die Schüler/innen gern besuchen und in der das Lernen freiwillig und motiviert stattfindet – der Erfolg ist dann gesichert!
  • Wir brauchen für unsere Kinder und Jugendlichen endlich ein völlig neu organisiertes Schul-/Bildungsystem
  • Wir brauchen mehr engagierte und motivierte Lehrkräfte
  • wir wollen viel weniger Verwaltung und Kontrolle, dafür mehr Zeit zum Lernen
  • Wir wollen fröhliche Kinder und Jugendliche, die sich gern bewegen und Spaß am Leben und Freude am Lernen haben!

Ein neues Bildungssystem braucht das Land!!!

  • Wir Eltern fordern bessere Lernbedingungen für unsere Kinder und Jugendlichen, Azubis und Studierenden und zwar in allen Bereichen der Bildung und Ausbildung!
  • Wir brauchen viel mehr Geld für Bildung und Ausbildung!


I.   Der neue Ansatz: Bildung und Ausbildung muss frei, kostenlos und offen sein für alle!

  1. Abschaffung des gegliederten Schulsystems (Haupt-/Real-/Förderschulen, Gymnasien) und völlige Neugestaltung eines einheitliches, gleichberechtigten Bildungsangebotes für ganz Deutschland/Europa!
  2. deutliche Verbesserung der finanziellen und personellen Ausstattung aller Kitas/Schulen und Unis.
  3. rasche und flächendeckende Entwicklung von echten, gebundenen Ganztagsschulen (umgehend beginnen mit mind. 1 Schule pro Schulform und Schulträger-Bezirk)
  4. eine umfassende Lernmittelfreiheit, d.h. eine vollständige und aktuelle Ausstattung mit allen notwendigen, aktuellen Fachbüchern und ergänzenden Lernmaterialien (Workbooks, Atlanten, Musik- und Kunstmaterialien etc.) und Heften u.a.m. für Bedürftige.
  5. kostenlose Schülerbeförderung für alle Schüler/innen bis zum erfolgreichen Schulabschluss!
  6. Schulgebäude, die freundlich und altersgruppengerecht gestaltet sind und große Klassenräume
  7. Schüler-Arbeits- und Aufenthaltsräume, Eltern-Gesprächsräume, Lehrer-Arbeitsräume, Schüler- und Lehrkraft-Bibliotheken  u.a.m. als Grundausstattung jeder Schule.
  8. kostenlose Betreuungsangebote durch Fachpersonal über das Unterrichtsangebot hinaus

II.   Schulzeit

Wir Eltern lehnen frühzeitige Auslese ab und fordern sofortiges, längeres gemeinsames Lernen und gleiche Chancen für alle nach skandinavischem Modell!

  1. Wir wollen, dass alle unsere Schülerinnen und Schüler ohne Selektion länger und gemeinsam lernen können, am besten gemeinsam bis zu 10. Klasse (d.h. mittleren Abschluss)
  2. Das Oberstufensystem G8 ist nicht ausgereift und sehr viele Eltern und Schüler/innen wollen weiterhin in 9 Jahren zum Abitur. Wir unterstützen die Forderung der Landesschülervertretung (LSV) und des Landeselternbeirates von Hessen (LEB) nach einer Schulzeitverkürzung für alle betroffenen Schulformen, d.h. wenn Verkürzung, dann nur in der Oberstufe und individuell nach 2 oder 3 Jahren.
  3. Wir brauchen zusätzlich zur verlängerten gemeinsamen Lernen auch einen neu organisierten Schulalltag, damit das lehren und lernen angenehmer werden (z.B. das Doppelstunden-System (Rhythmisierung), die gebundene Ganztagsschule u.a.m. weisen in die richtige Richtung).

III.   Unterrichtsqualität

Qualität von Unterricht: Lernen braucht Zeit, Begleitung, Kompetenz und Erfahrung

  1. Kleine Klassen in allen Schulformen und Jahrgängen
  2. Entschleunigung des Schulalltags, Rhythmisierung und sinnvolle Tagesstunden- und Wochenplanung, um die optimalen Lernphasen besser nutzen zu können
  3. weniger bzw. keine Hausaufgaben, sondern Übungsphasen integriert im Unterrichtsalltag
  4. Individuelle Förderung je nach Leistungsstand und Leistungsziel (Fördern und Fordern)
  5. Mindestens 115-120 % Personalabdeckung durch Lehrkräfte, zzgl. ausreichend Stunden für Sozialarbeiter und Schulpsychologen für jede Schule
  6. Wir wollen Integration statt Ausgrenzung und fordern daher die sofortige Umsetzung der UN-Richtlinien zur Inklusion (umfassende Integration von Behinderten auch im Schulalltag)
  7. Engagierte, motivierende Lehrkräfte, die ihren Unterrichtsstoff in der vorgegebenen Zeit erfolgreich vermitteln können
  8. Wertschätzender, partnerschaftlicher Umgang der Schüler/innen und Lehrkräfte untereinander
  9. Bildung von Lehrenden-Teams, die gemeinsam den Unterricht vor und nach bereiten sowie einander konstruktiv begleiten, um den Unterricht für alle angenehmer und erfolgreicher zu gestalten
  10. Wir brauchen endlich demokratische Schulstrukturen mit Mitentscheidungskompetenzen für Schüler/innen, Lehrkräfte und Eltern in allen wichtigen Fragen des Schulalltags und der Schulentwicklung. Einführung von Schulparlamenten als Entscheidungsorgan an jeder Schule

IV.   Gesundheit

Gesunde Schüler/innen lernen besser – schaffen wir die Grundlagen dafür!

Deshalb fordern wir:

  1. Schulen mit gesunder, ökologischer Lernumgebung als Standard für jedes Schulgebäude
  2. kostenlose Schulverpflegung für ALLE Schüler/innen inkl. Obst und Getränken (Milch, Wasser) in Schul-Mensen.
  3. mehr und regelmäßige Bewegungsangebote in allen Schulen und im Schulalltag
  4. mehr Zeit für Spiel, Sport und Spaß (Konzept der bewegten Schule)
  5. regelmäßige Wechsel zwischen Lern- und Entspannungsphasen bis zum Schulabschluss
  6. kind- und jugendgerechte Möblierung und Ausstattung der Schulen
  7. Wasser-Trinkautomaten in jede Schule (d.h. gekühltes Leitungswasser zum selber zapfen)
  8. Wir unterstützen, dass die Schüler/innen während des Unterrichts Wasser trinken dürfen.

Unsere verschiedenen Bildungssysteme in Deutschland verändern sich erst, wenn  WIR GEMEINSAM, als Eltern, Schüler/innen, Studierende, Auszubildende und Lehrende uns zusammen tun und gemeinsam auf die Straße gehen und immer wieder und aktiv uns einsetzen für ein neues Bildungssystem!!!

Deshalb:

Stellen wir uns gemeinsam gegen den derzeitigen Bildungsalltag
Demo am 09.06.
Treffpunkt: 13.15 Uhr Leopold Lucas Str. / Gesundheitsamt

Bildungsstreik 2010; Bundesweiter Aktionstag am 09.06.2010

Positionen der Schüler_innen

Eine Schule soll

  • ein Ort sein, an dem jeder/m SchülerIn die Chance hat zu lernen. Dafür muss es eine Gemeinschaftsschule geben. An dieser Schule können ALLE SchülerInnen lernen.
  • so gestaltet werden, dass die SchülerInnen die Schule mit ihren Lehrern gestalten, dies bedeutet sie entscheiden mit, wie ihre Schule aussieht und sich entwickelt.

Der Unterricht soll

  • so gestaltet werden, dass die SchülerInnen die Möglichkeit haben, ihre Stärken zu zeigen und in dabei gefördert werden.
  • gleichzeitig sollen SchülerInnen grundlegende wichtige Eigenschaften und Fähigkeiten lernen. Dabei ist es wichtig, dass geeignete Bedingungen gegeben sind. Dies bedeutet: kleine Lerngruppen, aktuelles Lernmaterial und funktionierendes Lehrmaterial z.B. zur Visualisierung von Lerninhalten.

Besonders die Schulzeit ist wichtig zur Entfaltung und Entdeckung seiner eigenen Persönlichkeit und seiner Stärken, dafür muss Raum gelassen werden.
Dies bedeutet,

  • kein Leistungs- und Prüfungsstress, der nicht zu bewältigen ist und
  • Wiederenführung von G9.

Wenn diese Punkte umgesetzt werden würden (und dies bedeutet defacto: mehr Mitbestimmung für alle Schüler, Einführung der Gemeinschaftsschule, kleinere Klassen, bessere Ausstattung für die Schulen und Abschaffung von G8), entstände eine Schule, in die man wieder gerne gehen würde und in der  man wieder gerne vieles lernen möchte!

Vollversammlung an der Martin-Luther-Schule

Die Vollversammlung an der Martin-Luther-Schule Marburg ab der 9. Klasse vom 16. Juni war ein voller Erfolg.

Die Schülerinnen und Schüler wurden seitens der Schülervertretung auf die Aktionswoche zum Bildungsstreik hingewiesen und auf die Aktionen aufmerksam gemacht. Die Schüler_innen-Forderungen an die Politik stießen auf eine sehr breite Zustimmung. Auch die regionale Presse war anwesend. Am Ende der Vollversammlung wurde die folgende Resolution mit einer großen Mehrheit angenommen:

Resolution

Wir, die Schülerinnen und Schüler der Martin-Luther-Schule ab der 9. Klasse, werden die derzeitigen Missstände in dem Hessischen Bildungssystem und an unserer Schulen nicht länger hinnehmen.

Wir denken, dass..

  • es ist nicht zu akzeptieren ist, dass unsere Bildung an der finanziellen Situation unserer Eltern hängt. Bildung muss frei für alle sein.
  • es ist unmöglich ist, die „Lernfähigkeit“ eines 10 jährigen Kindes zu beurteilen und dann daran dessen schulische Laufbahn festzumachen. Die frühe schulische Selektion muss aufhören.
  • es ist nicht weiter mit anzusehen ist, wie Kinder bereits in der 5. Klasse aufgrund von G8 keinerlei Freizeit mehr haben und unter ständigem Stress stehen. Das Konzept „G8“ muss dringend überarbeitet werden.
  • es nicht sein darf, dass Schülerinnen und Schüler, welche überhaupt der Grund einer jeden Schule sind, an dieser kaum Mitspracherechte haben. Das Schulsystem muss überarbeitet werden.
  • es ist inakzeptabel ist, dass Schülerinnen und Schüler dann Angst haben müssen, sich für ihre Interessen einzusetzen, da sie sonst beispielweise schlechte Noten zu erwarten haben. Die Rechte der Schülerinnen und Schüler müssen geachtet und geschützt werden.

Wir, die Schülerinnen und Schüler der Martin-Luther-Schule ab der 9. Klasse, beschließen daher hiermit, uns an der Bundesweiten Aktionswoche „Bildungsstreik 2009“ zu beteiligen.

Vollversammlung der Schülerinnen und Schüler
der Martin-Luther-Schule, ab der 9. Klasse

Es kribbelt!!!

Bildungsstreik – Camp steht!!

Seit letzte Nacht steht das Protest-Camp vor dem Hörsaalgebäude (Biegenstraße). Dieser entstande Freiraum dient als Anlaufstellle für alle (Schüler_innen, Studis, Eltern, einfach alle) die Fragen zum Bildungsstreik haben, sich informieren wollen oder einfach in lockerer Runde über gesellschaftliche, philosophische, bildungspolitische oder sonstige interessante Themen unterhalten möchte.

Kommt einfach mal vorbei – sei es nur für 5 Minuten oder mit Zelt und Schlafsack für die ganze Woche ;)

Die aktuellen Termine in Marburg im Zusammenhang mit dem Bildungsstreik gibt es hier. Der aktuelle Überblick kann auch hier als Flyer heruntergeladen werden.

Kontaktiert werden kann das lokale Bildungsstreikbündnis unter: bildungsstreik.marburg[at]gmail.com

Es geht los!

Stündlich kommen nun Nachrichten aus anderen Städten herein.

Unter anderem wurde das Seminar für Ethnologie in Halle sowie ein Gebäude der FU Berlin besetzt. In Bochum werden Teile der Ruhr Uni blockiert und in Heidelberg wird außerdem das Philosophische Seminar besetzt gehalten. In diesem Zusammenhang wurde folgende Presseerklärung veröffentlicht:

== „Philosophie lässt sich nicht auswendig lernen“ ==
Pressemitteilung der Freien Fachschaft Philosophie vom 15. Juni 2009

„Philosophie kann man nicht auswendig lernen”, „Credit Points = Fesseln für den lebendigen Geist” und „Freie Bildung für alle”, das sind die Sprüche auf den Plakaten, welche an den Außenwänden des philosophischen Seminars in Heidelberg im Wind flattern.

Seit dem Morgen des 15. Juni ist das Philosophische Seminar der Uni Heidelberg besetzt, nachdem die Studenten und Studentinnen schon am Sonntag Abend die Arbeit begannen und die Nacht im Institut verbrachten. Die Eingänge zu den Dozierendenzimmern sind mit Absperrband versperrt, über der Tür zur Bibliothek hängt ein großes Banner mit ‚geschlossen‘, überall sieht man den Schriftzug ‚besetzt‘. Reguläre Veranstaltungen werden in der Woche vom 15. bis 19. Juni nicht stattfinden, stattdessen gibt es ein Alternativprogramm. „Dies ist ein Warnsignal an Universität und Politik,“ so die Stellungnahme der Studierenden, „wir wollen, dass sich endlich etwas bewegt.”

Die Studierenden fordern eine Überarbeitung der neuen Prüfungsordnungen, die im Rahmen des Bolognaprozesses für die neuen Bachelor und Masterstudiengänge auch für Geisteswissenschaften eingeführt wurden. Das Bachelor-System in seiner derzeitigen Ausgestaltung sei für ein Philosophiestudium nach Erfahrung der StudentInnen vollkommen ungeeignet. Von den vier bisher gestarteten Bachelor Jahrgängen sind derzeit noch knapp 60 Studierende eingeschrieben, für mehr als 2/3 der Studierenden war spätestens nach dem vierten Semester klar, dass sie das Studium nicht beenden werden.
Doch auch die finanzielle Situation am Seminar ist dramatisch. „Mit Einführung der Studiengebühren will sich das Land, wie befürchtet, Stück für Stück aus der Finanzierung der Universität zurückziehen,“ so Daniel Rübel, Student am philosophischen Seminar und Fachschaftsmitglied. Nicht einmal die gesetzlich geforderte Finanzierung des Regelbetriebes ist sichergestellt. Langfristig befürchten die Studierenden einen weiteren Rückzug des Landes aus der Finanzierung von Bildung. Eine Anhebung der Studiengebühren und die damit verbundende folgende soziale Elitebildung an den Universitäten wären die unmittelbaren Folgen.

„Philosophie ohne Ethik (-Professur) ist Bilden ohne Verantwortlichkeit”, so ein weiteres Plakat im Innenhof der Neuen Uni. Damit beklagen die Studierenden den Mangel an angemessenen Seminaren für die LehramtsstudentInnen des Studiengangs Philosophie/Ethik. Vom Oberschulamt verlangte Veranstaltungen werden nicht ausreichend oder gar nicht angeboten. Dabei ist gerade in der heutigen Zeit, in welcher das Schulfach Ethik aufgrund der kulturellen Vielfalt in Deutschland immer wichtiger wird, eine qualifizierte Ausbildung von Ethiklehrern und -lehrerinnen essentiell.
Darüber hinaus bleibt auch die Demokratisierung der Universität ein Schwerpunkt. Forderungen nach einer Verfassten Studierendenschaft, direkte Einwirkungen auf Personal- und Lehrplanentscheidungen sowie der Ausbau der regulären Lehre und inhaltliche Ausweitung der Lehrpläne sind den Studierenden wichtig.

Die Studierenden, die sich auch für bessere Lehr- und Arbeitsbedingungen im Mittelbau und bei den Professoren einsetzen, begrüßen die Solidarisierung vieler Dozenten mit ihren Forderungen und Vorgehen. „Lehrkörper und Studierende sind aufeinander angewiesen. Dies ist die einmalige Möglichkeit, zusammen Ziele zu erreichen, die jeder von uns zwar anstrebt, die man alleine jedoch nicht verwirklichen kann.”, so Stella Schmoll.

Heidelberg, 15.Juni 2009

Aktuelle Informationen: http://philostreik.wordpress.com

Bundesweite Presseerklärung

Auch auf bundesweiter Ebene wurde heute folgende Presseerklärung an viele Medien geschickt:

Bundesweiter Bildungsstreik in über 80 Städten hat begonnen

Im ganzen Bundesgebiet finden Kundgebungen, Debatten und Besetzungen an Bildungseinrichtungen statt. Die Betroffenen der Bildungsmisere setzen sich zur Wehr und gestalten ihre Bildung neu: Inhaltliche Auseinandersetzung gepaart mit vielfältigem Protest. Am Mittwoch werden dezentrale Demonstrationen in ganz Deutschland stattfinden.

Am heutigen Montag wurden bereits Universitätsgebäude besetzt (beispielsweise in Heidelberg, Berlin und Hamburg) und blockiert (Wuppertal, Bochum), Protestcamps mit alternativen Lernveranstaltungen eröffnet (München, Trier, Flensburg, Münster, Saarbrücken, Marburg, Würzburg, Freiburg, Bielefeld). In Düsseldorf findet zur Stunde ein Sit-In vor der Staatskanzlei statt, in Stuttgart eine Kundgebung. Jedem Studierenden wird in Weingarten ein symbolischer Beitrag von 20 Cent für Skripte zurückgezahlt. “Unser Unterricht stinkt” heißt es bei Aktionen in Duisburg und Essen. In Greifswald schlug der “Exmatrikulator” zu und entfernte zahlugsunfähige Studierende aus Seminaren. In über 90 Städten startete heute der Bildungsstreik.

Weitere Informationen stets über den Live-Ticker: www.bildungsstreik2009.net/ticker

In den nächsten Tagen werden Studierende, Schüler_innen, Lehrende, Dozierende, Eltern, Gewerkschaften und andere sozialen Gruppen die Missstände an Bildungseinrichtungen deutlich artikulieren und weitgehende Veränderungen einfordern.

Alternative Lehrveranstaltungen, Demonstrationen, Vorträge, Diskussionen, kulturelles Programm, bunte Aktionen und Akte des zivilen Ungehorsams werden in dieser Woche die inhaltliche Auseinandersetzung über den gesellschaftlichen Stellenwert von Bildung in den Fokus der Aufmerksamkeit rücken, der spürbare Protest wird dem Diskurs Nachdruck verleihen.

Getragen wird der Bildungsstreik von einer breiten Basis aus dezentralen Bündnissen. Seit über einem halben Jahr findet eine intensive Vernetzung und inhaltliche Koordination der lokalen Bündnisse statt. “Die Zustände vor Ort konnten so mit den strukturellen Ursachen der Bildungsmisere verbunden und ein gemeinsamer, übergreifender Protest von verschiedenen Gruppen in dieser Woche organisiert werden”, fasst Laura Klink aus Trier den Charakter des Bildungsstreiks zusammen.

Den Beteiligten am Bildungsstreik geht es um eine Bildung, die zur kritischen Reflexion befähigt, sich an gesellschaftliche Bedürfnissen orientiert und Theorie und Praxis verbindet.

Von Bedeutung sind für die Schüler_innen und Studierenden dabei insbesondere die Demokratisierung des Bildungssystems, die Abschaffung des Bachelor- und Masterstudiums in der derzeitigen Form, die Abschaffung des mehrgliedrigen Schulsystems, kleinere Klassen, die soziale Öffnung der Hochschulen, die Verbesserung der Lehr- und Lernbedingungen und ein Ende des Einflusses der Wirtschaft in allen Bildungseinrichtungen.

Entscheidend dafür sind neben einer ausreichenden Finanzierung darüber hinausgehende strukturelle Veränderungen, welche ein grundlegend anderes Bildungsverständnis erfordern.

“Eine Gesellschaft mit einem der selektivsten Bildungssysteme, welches Lernende nicht dazu befähigt, sich kritisch mit vermittelten Inhalten auseinander zu setzen, ist keine Demokratie!”, so Mo Schmidt aus Marburg. Weiter führt er aus: “Der Kampf für ein alternatives Bildungssystem ist ein Kampf für eine wahrhafte Demokratie, deswegen geht Bildung uns alle an.”

SchülerInnen stimmen für Bildungsstreik (Münster)

Pressemitteilung

03.06.09, Münster

SchülerInnen des Pascal-Gymnasiums stimmen mit überragendem Ergebnis für Bildungsstreik

Am heutigen Mittwoch haben Schülerinnen und Schüler des Pascal-Gymnasiums in Münster über die Teilnahme am bundesweiten Bildungsstreiks 2009 abgestimmt.
Von 777 Abstimmenden stimmten 643 (82,8 Prozent) mit Ja,  31 (3,9) stimmten mit Nein und 103 (13,3 Prozent) SchülerInnen haben sich enthalten. Damit haben sich die SchülerInnen mit einer überwältigen Mehrheit für Streik ausgesprochen. Damit werden die SchülerInnen des Pascal-Gymnasiums am 17. Juni 2009 in den Ausstand treten.

Drei Vollversammlungen
“Erst wollen wir euch erklären, was der Bildungsstreik ist, dann stellen wir euch die Forderungen vor und dann werden wir über die Teilnahme am Bildungsstreik abstimmen”, sprach die SchülerInnenvertretung zu Beginn des Vollversammlungsmarathons in der Aula des Pascal-Gymnasiums. Insgesamt gab es drei in Klassenstufen aufgeteilte SchülerInnen-Vollversammlungen, in denen der Bildungsstreik vorgestellt wurde.

Vorstellung des Bildungsstreiks
In der Vergangenheit hätte es zwar von Seiten der Studierenden Proteste gegen Studiengebühren und für ein gerechteres Bildungssystem gegeben. Auch ein Schulstreik habe stattgefunden, so die SchülersprecherInnen, an diesem habe Münster aber leider nicht teilgenommen. Nun sei deshalb Zeit gemeinsam auf die Straße zu gehen und für eine bessere Bildung zu demonstrieren. Dafür lohne es sich auch “Fehlstunden zu kassieren”.

Schülervertretung stellt Forderungen vor
“Wir wollen die Korrektur von G8, die Abschaffung der Kopfnoten, die Abschaffung des mehrgliedrigen Schulsystems, weniger Leistungsdruck und qualifizierte LehrerInnen”, so stellte die SchülerInnenvertretung des Pascal-Gymnasiums den SchülerInnen die Forderungen vor, welche die SV für den Bildungsstreik ausgearbeitet haben. “Und wir wollen mehr Mitbestimmung. Wir wollen die Drittelparität zurück.”

Doch nicht nur die Schülervertretung, auch der Rektor des Pascal-Gymnasiums kam während der Vollversammlung zu Wort: “Natürlich hat jeder Mensch in Deutschland das Recht, seine Meinung zu äußern. Allerdings nicht uneingeschränkt und nicht in der Unterrichtszeit”, sprach Rektor Lübbering, und ergänzte: “Lehrer und Schüler können nicht einfach streiken. Wer am Streik teilnimmt, muss mit Sanktionen rechnen. Wir sind dazu verpflichtet, ganz normal Unterricht anzubieten. Auch eure Eltern können euch nicht entschuldigen”, so Lübbering über die Gefahren des Bildungsstreiks auf.

“Wenn alle gehen…”
Die SchülerInnen zeigten sich teilweise empört über diese Regelung. Manche schlugen gar vor, die Schulordnung geschickt zu umgehen und die Teilnahme am Bildungsstreik als Schulausflug zu deklarieren.
“Wenn wir alle zur Demonstration gehen und alle die gleichen Fehlstunden haben, spielen die Fehlstunden keine Rolle mehr”, meinte ein an der Vollversammlung teilnehmender Schüler. “Außerdem gab es bei der Demonstration gegen den Irak-Krieg auch keine Fehlstunden”, konterte die SchülerInnenvertretung.

SchülerInnenvertretung jubelt über Ergebnis
Die SchülerInnenvertretung freute sich über das Abstimmungsergebnis. “Wir sind begeistert und freuen uns auf die Demonstration am 17. Juni”, so Josha Thiele, Schülervertreter am Pascal-Gymnasium.
Der letzte Schülerstreik am Pascal-Gymnasium ist geschätzte 16 Jahre her.
In nächster Zeit werden auch am Annette von Droste-Hülshoff Gymnasium und am Schiller Gymnasium Vollversammlungen und Abstimmungen über den Bildungsstreik stattfinden.

Bundesweiter Aufruf und Forderungen

 

Bundesweiter Aufruf 

Die derzeitigen Zustände und Entwicklungen im Bildungssystem sind nicht weiter hinnehmbar! Weltweit sind Umstrukturierungen aller Lebensbereiche nicht mehr gemeinwohlorientiert, sondern den sogenannten Gesetzen des Marktes unterworfen. Seit ein paar Jahren ist auch das Bildungssystem in den Fokus solcher “Reformen” geraten: Bildungsgebühren und die Privatisierung treffen uns alle!

Die Finanz- und Wirtschaftskrise zeigt deutlich, dass die Auswirkungen wettbewerbsorientierter Entscheidungskriterien verheerend sind. In vielen Ländern protestieren Menschen dagegen, so z.B. in Mexiko, Spanien, Italien, Frankreich und Griechenland. In diesem internationalen Zusammenhang steht der Bildungsstreik 2009.

Der anhaltende Protest gegen Studiengebühren und Sozialabbau in den letzten Jahren hat bei den Verantwortlichen in Medien, Wirtschaft und Politik zu wenig Wirkung gezeigt. Deswegen rufen wir nun dazu auf, unsere demokratischen Rechte in Form eines bundesweiten Bildungsstreiks wahrzunehmen. Hier werden pluralistische Aktionsformen (Demonstrationen, Blockaden, Besetzungen etc.) ihren Platz finden. Während einer bundesweiten Aktionswoche vom 15.-19.06.2009 werden wir gemeinsam mit Schülerinnen und Schülern im gesamten Bundesgebiet demonstrieren. Wir suchen das Bündnis mit vielen gesellschaftlichen Gruppen, wie Gewerkschaften und sozialen Bewegungen, die wir ausdrücklich einladen, mit uns zu protestieren, denn wir sind überall mit der gleichen Politik konfrontiert: An der Hochschule, in den Schulen und im Betrieb.

Ziel des Bildungsstreiks ist es, eine Diskussion zur Zukunft des Bildungsystems anzuregen. Des Weiteren sollen Möglichkeiten einer fortschrittlichen und emanzipatorischen Bildungs- und Gesellschaftspolitk aufgezeigt und durchgesetzt werden. Dem Einfluss der maßgeblichen politischen und ökonomischen Interessen im Bildungsbereich setzen wir unsere Alternativen entgegen:

~ selbstbestimmtes Lernen und Leben statt starrem Zeitrahmen, Leistungsdruck und Konkurrenzdruck;

~ freier Bildungszugang und Abschaffung von sämtlichen Bildungsgebühren wie Studiengebühren, Ausbildungsgebühren und Kita-Gebühren;

~ öffentliche Finanzierung des Bildungssystems ohne Einflussnahme der Wirtschaft unter anderem auf Lehrinhalte, Studienstrukturen und Stellenvergabe;

~ Demokratisierung und Stärkung der Mit- und Selbstverwaltung in allen Bildungseinrichtungen.

Wir, die Projektgruppe Bildungsstreik 2009, rufen zur Bildung regionaler und lokaler Bündnisse auf. Bringt Euch in unsere bundesweiten Planungen ein: Ein anderes Bildungssystem ist möglich – und dringend nötig!

Projektgruppe Bildungsstreik 2009

Liste der Unterstützer_innen

 

Bundesweite Forderungen

Forderungen der Studierenden:

Weltweit ist Bildung im Wandel: Das humanistische Ideal einer zur kritischen Reflexion befähigenden, gemeinwohlorientierten Bildung wird zurückgedrängt. Stattdessen wird Bildung den Bedürfnissen des Marktes angepasst und damit selbst mehr und mehr zur Ware. Global sind es die GATS-Verträge, in Europa der Bologna-Prozess, die den Kern solcher Reformen bilden. Doch weltweit regt sich Widerstand. In diesem Zusammenhang steht der bundesweite Bildungsstreik vom 15. bis 19. Juni 2009. Deshalb fordern wir:

Soziale Öffnung der Hochschulen

~ den Abbau von Zulassungsbeschränkungen durch den Ausbau von Studienplätzen!

~ die Abschaffung von Studiengebühren und die gesetzlich verankerte Gebührenfreiheit von Bildung!

~ die finanzielle Unabhängigkeit der Studierenden – ohne Kredite!

~ die Abschaffung jeglicher Diskriminierung, auch in ihrer institutionalisierten Form gegenüber ausländischen Studierenden!

Abschaffung von Bachelor/Master in der derzeitigen Form

~ die Abkehr vom Bachelor als Regelabschluss!

~ das Ende von Verschulung, Regelstudienzeit und Dauerüberprüfung!

~ die Möglichkeit individueller Schwerpunktsetzung im Studium!

~ die tatsächliche Umsetzung der Mobilität zwischen den Hochschulen!

Demokratisierung des Bildungssystems

~ den Abbau von wirtschaftlichen Zwängen im Bildungsbereich!

~ die Mitbestimmung aller Beteiligten im Bildungssystem, u.a. durch Viertelparität in den Hochschulgremien!

~ die Einführung verfasster Studierendenschaften mit politischem Mandat in allen Bundesländern!

Verbesserung der Lehr- und Lernbedingungen

~ die Umsetzung freier alternativer Bildungskonzepte!

~ die Beendigung prekärer Beschäftigungsverhältnisse im Bildungsbereich!

~ die Aufstockung des Lehrpersonals auf ein pädagogisch tragbares Niveau! Dazu sind in den nächsten drei Jahren mindestens 8.000 Professuren, 4.000 Mittelbaustellen und 10.000 Tutor_innenstellen neu zu schaffen!

~ die Förderung aller Studierenden statt einseitiger Elitenbildung!

~ die Einheit von Forschung und Lehre statt der Exzellenzinitiative!

Diese Forderungen werden von vielen Menschen geteilt, weil sie uns der Verwirklichung des Menschenrechts auf Bildung näher bringen. Für eine tatsächliche Demokratie ist unsere Forderung nach einem frei zugänglichen, öffentlich finanzierten und emanzipatorisch ausgerichteten Bildungssystem unerlässlich. Derzeit geht es durch die Ökonomisierung der Bildung in eine andere Richtung: Die Hochschulen sind zunehmend abhängig von der Wirtschaft, ihre Funktion in der Gesellschaft hat sich gewandelt. Das ist kein Zufall! Bildung wird den Gesetzen des Marktes unterworfen; Konkurrenz reproduziert soziale Ungleichheit und Verwertungslogik. Um unsere Forderungen durchzusetzen bedarf es daher letztlich gesamtgesellschaftlicher Veränderung.

 

Selbstverständnis und Forderungen der Schüler_innen:

Selbstverständnis:

Die Situation an den Schulen ist miserabel, viel zu große Klassen, soziale Selektion und wachsender Leistungsdruck machen Schule zu einer verhassten Pflichtveranstaltung.
Im November 2008 gingen bundesweit über 100.000 Schüler_innen für eine ganz andere, bessere Bildung auf die Straßen. Seitdem hat sich im Bildungssystem jedoch noch nichts verändert! Deshalb wird unser Protest auch 2009 weitergehen!
Wir sind eine freie, unabhängige und überparteiliche Bewegung, welche sich die grundlegende Veränderung des maroden Bildungssystems zum Ziel gesetzt hat. Wir setzen uns zusammen aus lokalen Bündnissen, welche sich bundesweit koordinieren.
Wir solidarisieren und Vernetzen uns mit Schüler_innen, Studierenden, Auszubildenden, Lehrer_innen, Eltern und allen anderen Bewegungen, die sich für eine bessere Bildung einsetzen!

Forderungen:

~ Eine Schule für Alle – Weg mit dem mehrgliedrigen Schulsystem

~ Kostenlose Bildung für Alle

~ Mehr Lehrer_innen, kleinere Klassen

~ Beendet den Einfluss der Wirtschaft auf die Schulen!

~ Gegen Schulzeitverkürzung! Wie dem G8-Abitur!

~ Schluss mit Repressionen gegen Schüler und Schülerinnen

~ Für eine Demokratisierung des Bildungssystems!

schulaction.org

Quelle: bildungsstreik2009.de