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Plump und inhaltslos die Rede von Merkel, laut und entschlossen Heidelberger Studierende und SchülerInnen.

“Am 6. Juni 2009 inszenierte die CDU ihre bundesweite Abschlusskundgebung des EU Wahlkampfes in Heidelberg. Es versammelten sich rund 4000 Leute auf dem Uniplatz.
Der Auftritt von Merkel sowie dem Ministerpräsident von Baden-Württemberg Günther Öttinger und dem Generalsekretär der CDU Ronald Pofalla wurde von ca 300 StudentInnen und SchülerInnen durch Sprechchöre und Pfiffe lautstark begleitet. Schließlich versuchte eine kleine Gruppe den abreisenden Konvoi von Merkel aufzuhalten. Im Anschluss daran kamen rund 250 Personen zu einer Spontandemo vom Uniplatz bis zum Heidelberger Rathaus zusammen. Ca. 150 Studierende und SchülerInnen nutzen schließlich, das offenstehende Rathaus um eine Pressemitteilung zu schreiben und ein Plenum abzuhalten.”

Den gesamten Bericht gibt es unter: bildungsstreik2009.de

Gastbeitrag

Wehrt Euch!

Keines der Versprechen, die mit dem Beschluss der europäischen Kultusminister von 1999, also mit dem Bolognaprozess verbunden sind, haben sich bis jetzt erfüllt. Im Gegenteil: Das Studium ist durch Studiengebühren oft teurer geworden. Die Mobilität der Universitäten innerhalb Deutschlands und zwischen europäischen Hochschulen hat abgenommen. Die Zahl der Studierenden, die den Modularisierungswust und das enge Gespinst von Prüfungen nicht durchschauen, hat zugenommen. Deswegen gibt es mehr Studienabbrecher.

Inmitten des mit Noten überfrachteten Systems haben Studierende wenige Möglichkeiten, ihr Studium selbst zu bestimmen. Studiengänge wurden sinnentleert. Es herrscht eine negative Konkurrenz unter den Studierenden, die in privilegierte Mitglieder von Funktionseliten und in eine arbeitsmarktpolitische Verfügungsmasse eingeteilt werden. In den angeblichen Wissens- und Informationsgesellschaften nimmt die Fachidiotisierung und die Idiotisierung in den Fächern zu.

Zu lange haben Studierende, auf asozialen Gehorsam und schmales Eigeninteresse getrimmt, diese antidemokratisch-antigrundrechtliche Fremdschaltung ihres Studiums hingenommen. Verständlich, weil sie alternativlos ins Gehäuse modularisierter Hörigkeit gepresst wurden.
Bedrückenderweise haben wir Hochschullehrerinnen und -lehrer den von außen und oben aufgenötigten Unstand hingenommen. Er widerspricht dem Beruf der Lehre. Er verhöhnt substantiell bestätigte bildungspolitische Einsichten von Sokrates bis heute.

Umso mehr begrüßen wir, dass erstmals Schüler und Studenten gemeinsam einen Bildungsstreik in über 100 Städten vom 15. bis 19. Juni vom Zaune brechen wollen. Wir begrüßen ausdrücklich, dass Schüler und Studierende Bildungspolitik auch mit Formen zivilen Ungehorsams zum gesellschaftspolitischen Konfliktthema machen.

Das ist die Stunde der Lehrenden: Sie haben die Möglichkeit, nach Artikel 5 Absatz 3 des Grundgesetzes die Freiheit von Forschung und Lehre skrupulös und eigenständig auszulegen und zu praktizieren. Noch in diesem Semester sollten wir einen Teil unserer Lehrveranstaltungen mit dem Bildungsstreik verbinden. Wir sollten an Diskussionen mit Studierenden teilnehmen.

Wir sollten darüber informieren, wie die Universitäten das Lernen, unbeschadet unserer eigenen Anstrengung, verhindern. Schließlich sollten wir Vorschläge entwickeln, wie innerhalb der Institutionen und Lehr-Lern-Prozeduren Veränderungen möglich wären. Vor allem sollten wir die Arbeit konkreter Utopie mit den Studierenden betreiben und uns alle fragen, welches Studium wir mit welchem Ende anstreben.

Die Zustände an den Schulen und Hochschulen bedürfen des Bildungsstreiks. Erst dann kann eine Debatte über den gesellschaftlichen und individuellen Sinn von Studium und Forschung in Gang kommen. Das jüngste, allein monetär ausgerichtete Bund-Länder-Programm zur weiteren Finanzierung von Hochschulpakt, Exzellenzinitiative und Forschungspakt, vermeidet eine Debatte. Ungleiches Wachstum wird allein verwertungsfixiert gefördert. Die Schüler und Studierenden werden systematisch missachtet.

Wolf-Dieter Narr und Peter Grottian lehrten bis zu ihrer Emeritierung am

Otto-Suhr-Institut der FU Berlin.

Die Politikwissenschaftler unterstützen den nationalen Bildungsstreik von Schülern und Studenten ab dem
15. Juni.

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Quelle: FR-online.de

Deutsches Studentenwerk äußert Verständnis für Bildungsstreik

DSW-Präsident Rolf Dobischat: “Die Studierenden haben allen Grund, auf die Straße zu gehen”.
Unterfinanzierte Hochschulen und Studentenwerke, soziale Selektion, Studiengebühren, schlechte Studienbedingungen.

Berlin, 8. Juni 2009. Das Deutsche Studentenwerk (DSW), das für die sozialen Interessen der zwei Millionen Studierenden in Deutschland eintritt, äußert Verständnis für den in der kommenden Woche geplanten bundesweiten “Bildungsstreik”. “Ich kann alle Studierenden gut verstehen, die ihren Protest und ihren Unmut auf phantasievolle und friedliche Weise auf die Straße tragen”, erklärt DSW-Präsident Prof. Dr. Rolf Dobischat.

“Unterfinanzierte Hochschulen und Studentenwerke; Studiengebühren, aber viel zu wenige Stipendien; eines der sozial selektivsten Hochschulsysteme weltweit, Studierende, die sich als ‘Kunden’ ihrer Hochschule und nicht als Mitgestalter begreifen sollen; Stress und Leistungsdruck in überfrachteten Bachelor-Studiengängen: Es gibt viele gute Gründe, um zu protestieren”,  sagt Dobischat.

Der DSW-Präsident weiter: “Zwar hat die Politik jetzt glücklicherweise unter anderem den Hochschulpakt II für zusätzliche Studienplätze auf den Weg gebracht. Wir brauchen aber dringend eine breite gesellschaftliche Debatte über die Qualität der Hochschulbildung und die Studienbedingungen an unseren Hochschulen. Ich wünsche mir, dass der Bildungsstreik die Studierenden mobilisiert und eine solche Debatte vielleicht anstößt.”

Stefan Grob
Referatsleiter Presse/Kultur
Stellvertreter des Generalsekretärs
Deutsches Studentenwerk (DSW)
Monbijouplatz 11
10178 Berlin
Tel. 030 29 77 27 20
Mobil 0163 29 77 272
Mailto:stefan.grob@studentenwerke.de

Pressemitteilung

03.06.09, Münster

SchülerInnen des Pascal-Gymnasiums stimmen mit überragendem Ergebnis für Bildungsstreik

Am heutigen Mittwoch haben Schülerinnen und Schüler des Pascal-Gymnasiums in Münster über die Teilnahme am bundesweiten Bildungsstreiks 2009 abgestimmt.
Von 777 Abstimmenden stimmten 643 (82,8 Prozent) mit Ja,  31 (3,9) stimmten mit Nein und 103 (13,3 Prozent) SchülerInnen haben sich enthalten. Damit haben sich die SchülerInnen mit einer überwältigen Mehrheit für Streik ausgesprochen. Damit werden die SchülerInnen des Pascal-Gymnasiums am 17. Juni 2009 in den Ausstand treten.

Drei Vollversammlungen
“Erst wollen wir euch erklären, was der Bildungsstreik ist, dann stellen wir euch die Forderungen vor und dann werden wir über die Teilnahme am Bildungsstreik abstimmen”, sprach die SchülerInnenvertretung zu Beginn des Vollversammlungsmarathons in der Aula des Pascal-Gymnasiums. Insgesamt gab es drei in Klassenstufen aufgeteilte SchülerInnen-Vollversammlungen, in denen der Bildungsstreik vorgestellt wurde.

Vorstellung des Bildungsstreiks
In der Vergangenheit hätte es zwar von Seiten der Studierenden Proteste gegen Studiengebühren und für ein gerechteres Bildungssystem gegeben. Auch ein Schulstreik habe stattgefunden, so die SchülersprecherInnen, an diesem habe Münster aber leider nicht teilgenommen. Nun sei deshalb Zeit gemeinsam auf die Straße zu gehen und für eine bessere Bildung zu demonstrieren. Dafür lohne es sich auch “Fehlstunden zu kassieren”.

Schülervertretung stellt Forderungen vor
“Wir wollen die Korrektur von G8, die Abschaffung der Kopfnoten, die Abschaffung des mehrgliedrigen Schulsystems, weniger Leistungsdruck und qualifizierte LehrerInnen”, so stellte die SchülerInnenvertretung des Pascal-Gymnasiums den SchülerInnen die Forderungen vor, welche die SV für den Bildungsstreik ausgearbeitet haben. “Und wir wollen mehr Mitbestimmung. Wir wollen die Drittelparität zurück.”

Doch nicht nur die Schülervertretung, auch der Rektor des Pascal-Gymnasiums kam während der Vollversammlung zu Wort: “Natürlich hat jeder Mensch in Deutschland das Recht, seine Meinung zu äußern. Allerdings nicht uneingeschränkt und nicht in der Unterrichtszeit”, sprach Rektor Lübbering, und ergänzte: “Lehrer und Schüler können nicht einfach streiken. Wer am Streik teilnimmt, muss mit Sanktionen rechnen. Wir sind dazu verpflichtet, ganz normal Unterricht anzubieten. Auch eure Eltern können euch nicht entschuldigen”, so Lübbering über die Gefahren des Bildungsstreiks auf.

“Wenn alle gehen…”
Die SchülerInnen zeigten sich teilweise empört über diese Regelung. Manche schlugen gar vor, die Schulordnung geschickt zu umgehen und die Teilnahme am Bildungsstreik als Schulausflug zu deklarieren.
“Wenn wir alle zur Demonstration gehen und alle die gleichen Fehlstunden haben, spielen die Fehlstunden keine Rolle mehr”, meinte ein an der Vollversammlung teilnehmender Schüler. “Außerdem gab es bei der Demonstration gegen den Irak-Krieg auch keine Fehlstunden”, konterte die SchülerInnenvertretung.

SchülerInnenvertretung jubelt über Ergebnis
Die SchülerInnenvertretung freute sich über das Abstimmungsergebnis. “Wir sind begeistert und freuen uns auf die Demonstration am 17. Juni”, so Josha Thiele, Schülervertreter am Pascal-Gymnasium.
Der letzte Schülerstreik am Pascal-Gymnasium ist geschätzte 16 Jahre her.
In nächster Zeit werden auch am Annette von Droste-Hülshoff Gymnasium und am Schiller Gymnasium Vollversammlungen und Abstimmungen über den Bildungsstreik stattfinden.

Heute demonstrierten 250 Erzieherinnen und Erzieher in Münster für eine bessere Ausstattung der Kindertagesstädten, mehr Lohn, eine ausreichende Gesundheisversorgung und mehr Anerkennung für ihre berufliche Leistung. “Gesundheit war gestern, Burnout ist heute” oder “Bildung nicht zum Nulltarif” stand auf ihren Transparenten zu lesen.

Nach einer Abschlusskundgebung vor dem Stadthaus I entschlossen sie ihren Forderungen durch die Stürmung des Rathausteils Nachdruck zu verleihen. Mit dabei: das unabhängige Fachschaften Forum (uFaFo) und SchülerInnen sowie Studierende der Bildungsstreik-Initiative 2009.

Artikel: HaltenerZeitung.de

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