Proteste gegen neues Bildungsgesetz werden mit Repression beantwortet. Regierung erlässt Notstandsdekret. 6.000 Lehrer im Streik

von Laura Zierke, San José

erschienen bei amerika21.de

Polizeieinheiten gehen gegen Proteste vor

Tegucigalpa. In den Straßen honduranischer Städte werden derzeit heftige Straßenkämpfe zwischen Polizei und Zivilgesellschaft ausgefochten. Lehrer, Eltern und Professoren protestieren seit rund einem Monat gegen die Bestrebungen der Regierung, ein neues Bildungsgesetz zu erlassen. Die Regierung verteidigt den Vorschlag mit dem Argument, das Gesetz würde zur Verbesserung der Lernbedingungen beitragen. Kritiker sehen darin jedoch eine Privatisierung des Bildungssektors und die Abgabe der Verantwortung des Staates an die Bevölkerung.

Der Gesetzentwurf sieht die Dezentralisierung der Verwaltung öffentlicher Bildungseinrichtungen wie Schulen und Universitäten vor. Die Protestierenden kritisieren, dass Aufgaben des Staates an die Gemeinden übertragen würden. Eltern und andere Gemeindemitglieder würden dazu verpflichtet, den Bildungsbetrieb mitzugestalten und zu evaluieren und somit als billige Arbeitskräfte eingesetzt. Lehrer bekämen Verantwortungen aufgehalst, die bislang staatliche Institutionen übernommen haben, so der Vorwurf der Kritiker.

De-facto-Präsident Porfirio Lobo Sosa erließ infolge des seit vier Wochen andauernden Streiks von rund 6.000 Lehrern (von insgesamt rund 60.000) am vergangenen Freitag ein Notstandsdekret. Es sieht die vorläufige Suspendierung streikender Lehrkräfte und die temporäre Einstellung von Ersatzlehrern vor. Das Dekret schürte die Wut der Bevölkerung, die seit Anfang der Woche noch entschlossener gegen die Maßnahmen protestiert.

Die Polizei begegnete den Demonstranten in den letzten Tagen mit Tränengas und Wasserwerfern. Neben zahlreichen Festnahmen von Erwachsenen wie Minderjährigen, gab es Verletzte und eine Tote. Augenzeugenberichten zufolge wurden Hausdurchsuchungen ohne Haftbefehle vorgenommen, Personen seien grundlos aus Taxis und Bussen gezerrt worden. Es wird von Folterungen und bewaffneten Übergriffen auf unbewaffnete Zivilisten gesprochen.

Duña Montoya, Sprecherin des Kommunikationszentrums “Comunicación Comunitaria” (COMUN) berichtet über das Geschehen in diesen Tagen: “Die Szenen, die sich derzeit in Tegucigalpa und in anderen Städten des Landes abspielen, rufen die Erinnerungen an den Staatsstreich am 28. Juni 2009 hervor. Das Regime Pofirio Lobo Sosas geht mit unglaublicher Härte und Brutalität gegen das Volk vor.” Auch kritische Presseorgane blieben nicht unversehrt. Mehrere berichterstattende Journalisten wurden von der Polizei attackiert und verletzt.

Schul- und Hochschullehrer reichten nun eine Petition beim Obersten Gerichtshof von Honduras ein, der die Legalität des Notstandsdekretes überprüfen soll. Indessen versucht die de-facto-Regierung mit einer Werbekampagne die honduranische Bevölkerung von Zweck und Nutzen der Umstrukturierung des Bildungsbereiches zu überzeugen. Menschenrechtsorganisationen machen nun verstärkt auf internationaler Ebene auf die erneut besorgniserregende Situation aufmerksam.

Globaler Tag der Solidarität mit Aktivist_innen in Puerto Rico

Der 11. März 1971 war einer der blutigsten Tage in der Geschichte der Universität von Puerto Rico. Der Hauptcampus in Rio Piedras wurde von der Polizei gestürmt, was zu gewalttätigen Auseinandersetzungen führte. Dabei starben zwei Menschen.


Seit Monaten schon kämpfen Studierende in Rio Piedras (Puerto Rico) gegen das Vorhaben der Regierung ab Januar 2011 Studiengebühren in Höhe von €800 pro Semester einzuführen in einem Land, in welchem knapp die Hälfte der Menschen unter der Armutsgrenze leben. Die Studiengebühren werden zur Folge haben, dass mindestens 10.000 der insgesamt 65.000 Studierenden ihr Studium abbrechen müssen.

Diese Maßnahme ist neben der Streichung von 25.000 Stellen im öffentlichen Sektor der nächste Schritt einer nicht nur in Puerto Rico betriebenen Privatisierungspolitik.

Um diesem Vorhaben zu stoppen, protestieren Studierende gemeinsam mit Professorinnen und Angestellten der Universität bereits seit Monaten, indem sie den universitären Betrieb bestreiken.

Die Regierung versucht den Protest auf dem Campusgelände durch massive Polizeiangriffe zu unterbinden. Durch das gewalttätige Vorgehen der Polizei mit Tränengas- und Rauchbombeneinsatz, haben diverse Menschen Verletzungen erlitten. Viele Protestierende wurden verhaftet. Einige Frauen sogar sexuell belästigt.

Das Eindringen der Polizei auf dem Campus musste zuvor durch das Oberste Gericht in Puerto Rico bewilligt werden, da Universitätsgelände als autonomer Bereich gelten und nicht von der Polizei oder anderen Sondereinheiten betreten werden dürfen.

Die Ereignisse in Puerto Rico zeigen, wie skrupellos mit Menschen allgemein und Studierenden im Besonderen umgegangen wird, die sich gegen zunehmende Privatisierung von Bildung und für demokratische Strukturen an Bildungseinrichtungen stark machen und erinnert wegen der massiven staatlichen Repressionen zunehmend an die Geschehnisse am 11. März 1971.

Auch das Free Education Movement Marburg versteht sich als Teil der globalen Bewegung für freie und emanzipatorische Bildung.

Wir solidarisieren uns mit den Studierenden in Puerto Rico in ihrem Einsatz für freie und emanzipatorische Bildung.

Free Education Movement Marburg

For Free Emancipatory Education in Puerto Rico and Everywhere else!

~ one world – one struggle ~

Homepages für Einzelheiten:
http://ism-global.net/march11_solidarity
http://redaccion-pr.net (offizielle Homepage der Organisator_innen des Aktionstages)

Eine Übersicht der Aktionen weltweit, die am 11.03. stattfanden,  gibt es auf englisch hier:  ism-global.net

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