“Freie Bildung für ein freies Leben – Kürzungen aktiv entgegentreten!”

Auf vielen Ebenen des Bildungssystems ist ein Wandel mehr als nötig. Vom Kindergarten, über die Schulzeit bis zur Hochschule sind krank machender Leistungsdruck, zunehmende Entdemokratisierung der Bildungseinrichtungen, Schulzeit- und Verkürzung der Studiendauer, soziale Selektion, schlechte Lern- und Lehrbedingungen nur einige Symptome. Ähnliche Entwicklungen können auch in vielen anderen gesesllschaftlichen Zusammenhängen beobachtet werden (Betriebe, öffentliches Gesundheitswesen).

Die neulich angekündigten Haushaltskürzungen für Schulen und Hochschulen verschärfen diese Entwicklung zunehmend.

Doch nicht nur die Bedingungen im Bildungswesen verändern sich: Auch die Lehrinhalte werden zunehmend von ökonomischen Gesichtspunkten bestimmt. In den Schulen geht das besonders auf Kosten der musisch-künstlerischen Fächer. Über die Vergabe von Drittmitteln, Stipendien und Sponsoring nimmt an den Hochschulen der Einfluss der Wirtschaft auf Forschung und Lehre weiter zu. Im Hessischen Hochschulgesetz (HHG) gibt es bereits einen Paragraphen (§8, Abs.1), welcher die Hochschulen dazu verpflichtet Drittmittel einzuwerben. Im selben Zuge werden die Mitbestimmungsmöglichkeiten und Freiheiten der Lernenden und Lehrenden zugunsten der Macht von Rektor_innen, Präsidien und externen Gremien beschnitten und somit unternehmerische Strukturen etabliert.

Schauen wir uns diese Entwicklung an, so drängt sich unweigerlich die Frage auf, welche Funktionen das Bildungssytem für die Gesellschaft erfüllen soll: Die Befähigung, sich kritisch mit seinem Umfeld auseinander zu setzten und dieses verstehen zu lernen, oder doch eher Passivität, Gehorsam und Unterwürfigkeit zu fördern? Und was ist mit der Selektionsfunktion?

Als Schüler_innen, Studierende und Auszubildende und teilweise sogar schon im Kindergarten stehen wir im direkten Wettbewerb zueinander. Ein Wettbewerb um wenige Gymnasien-, Ausbildungs- und Studienplätze sowie die Möglichkeit die eigene Arbeitskraft auf dem Markt zu verkaufen. Ein Wettbewerb, der die „Leistungsschwachen“ und Unangepassten aussiebt und ihnen damit die Möglichkeit auf Teilhabe an vielen Bereichen der Gesellschaft verwehrt. Ein Wettbewerb, um den Wirtschaftsstandort zu stärken. Ein Wettbewerb, in dem alle Menschen und Regionen weltweit gegeneinander konkurrieren statt miteinander zu wirken.

Im vergangenen Jahr fanden im Rahmen des „Bildungsstreiks“ in über 100 Städten zahlreiche Aktionen statt, sehr viele Menschen gingen für ein anderes Bildungssystem auf die Straße, Hörsäle und Klassenzimmer in mehr als 70 Einrichtungen wurden von Schüler_innen und Studierenden zeitweise besetzt gehalten.

Es geht weiter, bis die Missstände behoben sind und wir eine freie und emanzipatorische Bildung für alle haben!

Am Mittwoch, 09.06.2010 werden im Rahmen des „bundesweiten Bildungsstreiks“ erneut viele Menschen in allen 16 Bundesländern gemeinsam gegen die vorherrschenden Umstände vorgehen.

09.06. Großdemonstration in MR
„Freie Bildung für ein freies Leben – Kürzungen aktiv entgegentreten!“

Startpunkte: 13.00h vor der Mensa Erlenring &
13.15h Leopold Lucas Str./ Gesundheitsamt

Zwischenstop: 13.45h Marktplatz
Abschluss: 14.45h Firmaneiplatz

Gemeinsam gegen Schulstress und Leistungsdruck, gegen G8, „Bologna-Prozess“ (europaweite Reformbemühungen im Hochschulbereich), Haushaltskürzungen, Entdemokratisierung, Privatisierung und Drittmittelzwang entgegentreten! Gemeinsam für demokratische Bildungseinrichtungen und freie, emanzipatorische Bildung für alle!

Don’t panic – get organized!

www.bildungsstreik-marburg.dekontakt@bildungsstreik-marburg.de (lokal)

www.bildungsstreik.net (bundesweit)

www.emancipating-education-for-all.org (global)

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