Bildungsstreik – Camp steht!!

Seit letzte Nacht steht das Protest-Camp vor dem Hörsaalgebäude (Biegenstraße). Dieser entstande Freiraum dient als Anlaufstellle für alle (Schüler_innen, Studis, Eltern, einfach alle) die Fragen zum Bildungsstreik haben, sich informieren wollen oder einfach in lockerer Runde über gesellschaftliche, philosophische, bildungspolitische oder sonstige interessante Themen unterhalten möchte.

Kommt einfach mal vorbei – sei es nur für 5 Minuten oder mit Zelt und Schlafsack für die ganze Woche ;)

Die aktuellen Termine in Marburg im Zusammenhang mit dem Bildungsstreik gibt es hier. Der aktuelle Überblick kann auch hier als Flyer heruntergeladen werden.

Kontaktiert werden kann das lokale Bildungsstreikbündnis unter: bildungsstreik.marburg[at]gmail.com

Es geht los!

Stündlich kommen nun Nachrichten aus anderen Städten herein.

Unter anderem wurde das Seminar für Ethnologie in Halle sowie ein Gebäude der FU Berlin besetzt. In Bochum werden Teile der Ruhr Uni blockiert und in Heidelberg wird außerdem das Philosophische Seminar besetzt gehalten. In diesem Zusammenhang wurde folgende Presseerklärung veröffentlicht:

== „Philosophie lässt sich nicht auswendig lernen“ ==
Pressemitteilung der Freien Fachschaft Philosophie vom 15. Juni 2009

„Philosophie kann man nicht auswendig lernen”, „Credit Points = Fesseln für den lebendigen Geist” und „Freie Bildung für alle”, das sind die Sprüche auf den Plakaten, welche an den Außenwänden des philosophischen Seminars in Heidelberg im Wind flattern.

Seit dem Morgen des 15. Juni ist das Philosophische Seminar der Uni Heidelberg besetzt, nachdem die Studenten und Studentinnen schon am Sonntag Abend die Arbeit begannen und die Nacht im Institut verbrachten. Die Eingänge zu den Dozierendenzimmern sind mit Absperrband versperrt, über der Tür zur Bibliothek hängt ein großes Banner mit ‚geschlossen‘, überall sieht man den Schriftzug ‚besetzt‘. Reguläre Veranstaltungen werden in der Woche vom 15. bis 19. Juni nicht stattfinden, stattdessen gibt es ein Alternativprogramm. „Dies ist ein Warnsignal an Universität und Politik,“ so die Stellungnahme der Studierenden, „wir wollen, dass sich endlich etwas bewegt.”

Die Studierenden fordern eine Überarbeitung der neuen Prüfungsordnungen, die im Rahmen des Bolognaprozesses für die neuen Bachelor und Masterstudiengänge auch für Geisteswissenschaften eingeführt wurden. Das Bachelor-System in seiner derzeitigen Ausgestaltung sei für ein Philosophiestudium nach Erfahrung der StudentInnen vollkommen ungeeignet. Von den vier bisher gestarteten Bachelor Jahrgängen sind derzeit noch knapp 60 Studierende eingeschrieben, für mehr als 2/3 der Studierenden war spätestens nach dem vierten Semester klar, dass sie das Studium nicht beenden werden.
Doch auch die finanzielle Situation am Seminar ist dramatisch. „Mit Einführung der Studiengebühren will sich das Land, wie befürchtet, Stück für Stück aus der Finanzierung der Universität zurückziehen,“ so Daniel Rübel, Student am philosophischen Seminar und Fachschaftsmitglied. Nicht einmal die gesetzlich geforderte Finanzierung des Regelbetriebes ist sichergestellt. Langfristig befürchten die Studierenden einen weiteren Rückzug des Landes aus der Finanzierung von Bildung. Eine Anhebung der Studiengebühren und die damit verbundende folgende soziale Elitebildung an den Universitäten wären die unmittelbaren Folgen.

„Philosophie ohne Ethik (-Professur) ist Bilden ohne Verantwortlichkeit”, so ein weiteres Plakat im Innenhof der Neuen Uni. Damit beklagen die Studierenden den Mangel an angemessenen Seminaren für die LehramtsstudentInnen des Studiengangs Philosophie/Ethik. Vom Oberschulamt verlangte Veranstaltungen werden nicht ausreichend oder gar nicht angeboten. Dabei ist gerade in der heutigen Zeit, in welcher das Schulfach Ethik aufgrund der kulturellen Vielfalt in Deutschland immer wichtiger wird, eine qualifizierte Ausbildung von Ethiklehrern und -lehrerinnen essentiell.
Darüber hinaus bleibt auch die Demokratisierung der Universität ein Schwerpunkt. Forderungen nach einer Verfassten Studierendenschaft, direkte Einwirkungen auf Personal- und Lehrplanentscheidungen sowie der Ausbau der regulären Lehre und inhaltliche Ausweitung der Lehrpläne sind den Studierenden wichtig.

Die Studierenden, die sich auch für bessere Lehr- und Arbeitsbedingungen im Mittelbau und bei den Professoren einsetzen, begrüßen die Solidarisierung vieler Dozenten mit ihren Forderungen und Vorgehen. „Lehrkörper und Studierende sind aufeinander angewiesen. Dies ist die einmalige Möglichkeit, zusammen Ziele zu erreichen, die jeder von uns zwar anstrebt, die man alleine jedoch nicht verwirklichen kann.”, so Stella Schmoll.

Heidelberg, 15.Juni 2009

Aktuelle Informationen: http://philostreik.wordpress.com

Bundesweite Presseerklärung

Auch auf bundesweiter Ebene wurde heute folgende Presseerklärung an viele Medien geschickt:

Bundesweiter Bildungsstreik in über 80 Städten hat begonnen

Im ganzen Bundesgebiet finden Kundgebungen, Debatten und Besetzungen an Bildungseinrichtungen statt. Die Betroffenen der Bildungsmisere setzen sich zur Wehr und gestalten ihre Bildung neu: Inhaltliche Auseinandersetzung gepaart mit vielfältigem Protest. Am Mittwoch werden dezentrale Demonstrationen in ganz Deutschland stattfinden.

Am heutigen Montag wurden bereits Universitätsgebäude besetzt (beispielsweise in Heidelberg, Berlin und Hamburg) und blockiert (Wuppertal, Bochum), Protestcamps mit alternativen Lernveranstaltungen eröffnet (München, Trier, Flensburg, Münster, Saarbrücken, Marburg, Würzburg, Freiburg, Bielefeld). In Düsseldorf findet zur Stunde ein Sit-In vor der Staatskanzlei statt, in Stuttgart eine Kundgebung. Jedem Studierenden wird in Weingarten ein symbolischer Beitrag von 20 Cent für Skripte zurückgezahlt. “Unser Unterricht stinkt” heißt es bei Aktionen in Duisburg und Essen. In Greifswald schlug der “Exmatrikulator” zu und entfernte zahlugsunfähige Studierende aus Seminaren. In über 90 Städten startete heute der Bildungsstreik.

Weitere Informationen stets über den Live-Ticker: www.bildungsstreik2009.net/ticker

In den nächsten Tagen werden Studierende, Schüler_innen, Lehrende, Dozierende, Eltern, Gewerkschaften und andere sozialen Gruppen die Missstände an Bildungseinrichtungen deutlich artikulieren und weitgehende Veränderungen einfordern.

Alternative Lehrveranstaltungen, Demonstrationen, Vorträge, Diskussionen, kulturelles Programm, bunte Aktionen und Akte des zivilen Ungehorsams werden in dieser Woche die inhaltliche Auseinandersetzung über den gesellschaftlichen Stellenwert von Bildung in den Fokus der Aufmerksamkeit rücken, der spürbare Protest wird dem Diskurs Nachdruck verleihen.

Getragen wird der Bildungsstreik von einer breiten Basis aus dezentralen Bündnissen. Seit über einem halben Jahr findet eine intensive Vernetzung und inhaltliche Koordination der lokalen Bündnisse statt. “Die Zustände vor Ort konnten so mit den strukturellen Ursachen der Bildungsmisere verbunden und ein gemeinsamer, übergreifender Protest von verschiedenen Gruppen in dieser Woche organisiert werden”, fasst Laura Klink aus Trier den Charakter des Bildungsstreiks zusammen.

Den Beteiligten am Bildungsstreik geht es um eine Bildung, die zur kritischen Reflexion befähigt, sich an gesellschaftliche Bedürfnissen orientiert und Theorie und Praxis verbindet.

Von Bedeutung sind für die Schüler_innen und Studierenden dabei insbesondere die Demokratisierung des Bildungssystems, die Abschaffung des Bachelor- und Masterstudiums in der derzeitigen Form, die Abschaffung des mehrgliedrigen Schulsystems, kleinere Klassen, die soziale Öffnung der Hochschulen, die Verbesserung der Lehr- und Lernbedingungen und ein Ende des Einflusses der Wirtschaft in allen Bildungseinrichtungen.

Entscheidend dafür sind neben einer ausreichenden Finanzierung darüber hinausgehende strukturelle Veränderungen, welche ein grundlegend anderes Bildungsverständnis erfordern.

“Eine Gesellschaft mit einem der selektivsten Bildungssysteme, welches Lernende nicht dazu befähigt, sich kritisch mit vermittelten Inhalten auseinander zu setzen, ist keine Demokratie!”, so Mo Schmidt aus Marburg. Weiter führt er aus: “Der Kampf für ein alternatives Bildungssystem ist ein Kampf für eine wahrhafte Demokratie, deswegen geht Bildung uns alle an.”

Es gibt auch eine  “Entschuldigungsmaske” für Schüler_innen. Diese kann hier heruntergeladen werden. Einfach ausdrucken und von den Eltern unterschreiben lassen.

Wir hoffen das hilft.

Desweiteren gibt es einen Elternaufruf zum Bildungsstreik für den 17. Juni von Eltern in Stuttgart. Vielleicht inspiriert dieser auch Eltern in Marburg einen ähnlichen zu veröffentlichen.

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Plump und inhaltslos die Rede von Merkel, laut und entschlossen Heidelberger Studierende und SchülerInnen.

“Am 6. Juni 2009 inszenierte die CDU ihre bundesweite Abschlusskundgebung des EU Wahlkampfes in Heidelberg. Es versammelten sich rund 4000 Leute auf dem Uniplatz.
Der Auftritt von Merkel sowie dem Ministerpräsident von Baden-Württemberg Günther Öttinger und dem Generalsekretär der CDU Ronald Pofalla wurde von ca 300 StudentInnen und SchülerInnen durch Sprechchöre und Pfiffe lautstark begleitet. Schließlich versuchte eine kleine Gruppe den abreisenden Konvoi von Merkel aufzuhalten. Im Anschluss daran kamen rund 250 Personen zu einer Spontandemo vom Uniplatz bis zum Heidelberger Rathaus zusammen. Ca. 150 Studierende und SchülerInnen nutzen schließlich, das offenstehende Rathaus um eine Pressemitteilung zu schreiben und ein Plenum abzuhalten.”

Den gesamten Bericht gibt es unter: bildungsstreik2009.de

Der Countdown läuft: Wir warten sehnsüchtig auf den Beginn der Bildungsstreik-Woche! So viel hat die Bildungsstreik-Gruppe und viele andere Menschen in ihrem Umfeld schon gearbeitet – und so viel steht diese Woche noch an. Dafür erhoffen wir uns in der Bildungsstreik-Woche einen Ausblick auf eine andere Uni, auf andere Schulen; auf bessere Lernbedingungen, bessere Mitbestimmungsmöglichkeiten; aber auch auf den Beginn einer neuen Widerstands-Welle, die den Kampf für eine Demokratisierung unserer Gesellschaft wieder anheizt.

In den letzten Tagen waren wir nicht faul: Am Sonntag hatten wir ein Interview auf Radio Unerhört, heute gab es einen Flashmob auf dem Rudolphsplatz und die Aktion “Schafs-Jagd nach dem ECTS-Punkt” in einer Vorlesung der Wiwis. Leider verstehen die meisten Wiwis wohl keinen Spaß, da sie sehr schnell nach dem Sicherheitsdienst gerufen haben.
Dafür wollen wir euch die Fotos vom Flashmob am heutigen Montag sowie von der Transpi-Malaktion am Freitag nicht vorenthalten:
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Einen Ausblick können wir auch schon geben: Am Mittwoch wird es einen weiteren Flashmob geben, Treffpunkt ist 12.30 Uhr auf dem Parkplatz der Kaufmännischen Schule in der Leopold-Lukas-Straße.

Ab 18 Uhr findet unser wöchentliches Vernetzungstreffen im Hörsaalgebäude, Raum 110, statt. Kommt zahlreich!!

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Morgen, Dienstag, findet die Demo der streikenden Erzieher+innen statt, mit denen wir uns ausdrücklich solidarisieren. Los gehts am Georg-Gassmann-Stadion in der Leopold-Lukas-Straße um 9.30 Uhr, es gibt eine Kundgebung am Marktplatz und danach Essen vor der Stadthalle.

Am Nachmittag treffen sich die bildungsstreikenden Schüler+innen vor dem Haus der Jugend um 17.30 Uhr!

Auf dem Transpi (s. Fotos) steht: “Bildungsgebühren und Privatisierungen stoppen!”

PS: Haltet die Augen und Ohren offen – es kann jederzeit überall etwas passieren… ;-)

Gastbeitrag

Wehrt Euch!

Keines der Versprechen, die mit dem Beschluss der europäischen Kultusminister von 1999, also mit dem Bolognaprozess verbunden sind, haben sich bis jetzt erfüllt. Im Gegenteil: Das Studium ist durch Studiengebühren oft teurer geworden. Die Mobilität der Universitäten innerhalb Deutschlands und zwischen europäischen Hochschulen hat abgenommen. Die Zahl der Studierenden, die den Modularisierungswust und das enge Gespinst von Prüfungen nicht durchschauen, hat zugenommen. Deswegen gibt es mehr Studienabbrecher.

Inmitten des mit Noten überfrachteten Systems haben Studierende wenige Möglichkeiten, ihr Studium selbst zu bestimmen. Studiengänge wurden sinnentleert. Es herrscht eine negative Konkurrenz unter den Studierenden, die in privilegierte Mitglieder von Funktionseliten und in eine arbeitsmarktpolitische Verfügungsmasse eingeteilt werden. In den angeblichen Wissens- und Informationsgesellschaften nimmt die Fachidiotisierung und die Idiotisierung in den Fächern zu.

Zu lange haben Studierende, auf asozialen Gehorsam und schmales Eigeninteresse getrimmt, diese antidemokratisch-antigrundrechtliche Fremdschaltung ihres Studiums hingenommen. Verständlich, weil sie alternativlos ins Gehäuse modularisierter Hörigkeit gepresst wurden.
Bedrückenderweise haben wir Hochschullehrerinnen und -lehrer den von außen und oben aufgenötigten Unstand hingenommen. Er widerspricht dem Beruf der Lehre. Er verhöhnt substantiell bestätigte bildungspolitische Einsichten von Sokrates bis heute.

Umso mehr begrüßen wir, dass erstmals Schüler und Studenten gemeinsam einen Bildungsstreik in über 100 Städten vom 15. bis 19. Juni vom Zaune brechen wollen. Wir begrüßen ausdrücklich, dass Schüler und Studierende Bildungspolitik auch mit Formen zivilen Ungehorsams zum gesellschaftspolitischen Konfliktthema machen.

Das ist die Stunde der Lehrenden: Sie haben die Möglichkeit, nach Artikel 5 Absatz 3 des Grundgesetzes die Freiheit von Forschung und Lehre skrupulös und eigenständig auszulegen und zu praktizieren. Noch in diesem Semester sollten wir einen Teil unserer Lehrveranstaltungen mit dem Bildungsstreik verbinden. Wir sollten an Diskussionen mit Studierenden teilnehmen.

Wir sollten darüber informieren, wie die Universitäten das Lernen, unbeschadet unserer eigenen Anstrengung, verhindern. Schließlich sollten wir Vorschläge entwickeln, wie innerhalb der Institutionen und Lehr-Lern-Prozeduren Veränderungen möglich wären. Vor allem sollten wir die Arbeit konkreter Utopie mit den Studierenden betreiben und uns alle fragen, welches Studium wir mit welchem Ende anstreben.

Die Zustände an den Schulen und Hochschulen bedürfen des Bildungsstreiks. Erst dann kann eine Debatte über den gesellschaftlichen und individuellen Sinn von Studium und Forschung in Gang kommen. Das jüngste, allein monetär ausgerichtete Bund-Länder-Programm zur weiteren Finanzierung von Hochschulpakt, Exzellenzinitiative und Forschungspakt, vermeidet eine Debatte. Ungleiches Wachstum wird allein verwertungsfixiert gefördert. Die Schüler und Studierenden werden systematisch missachtet.

Wolf-Dieter Narr und Peter Grottian lehrten bis zu ihrer Emeritierung am

Otto-Suhr-Institut der FU Berlin.

Die Politikwissenschaftler unterstützen den nationalen Bildungsstreik von Schülern und Studenten ab dem
15. Juni.

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Quelle: FR-online.de

Deutsches Studentenwerk äußert Verständnis für Bildungsstreik

DSW-Präsident Rolf Dobischat: “Die Studierenden haben allen Grund, auf die Straße zu gehen”.
Unterfinanzierte Hochschulen und Studentenwerke, soziale Selektion, Studiengebühren, schlechte Studienbedingungen.

Berlin, 8. Juni 2009. Das Deutsche Studentenwerk (DSW), das für die sozialen Interessen der zwei Millionen Studierenden in Deutschland eintritt, äußert Verständnis für den in der kommenden Woche geplanten bundesweiten “Bildungsstreik”. “Ich kann alle Studierenden gut verstehen, die ihren Protest und ihren Unmut auf phantasievolle und friedliche Weise auf die Straße tragen”, erklärt DSW-Präsident Prof. Dr. Rolf Dobischat.

“Unterfinanzierte Hochschulen und Studentenwerke; Studiengebühren, aber viel zu wenige Stipendien; eines der sozial selektivsten Hochschulsysteme weltweit, Studierende, die sich als ‘Kunden’ ihrer Hochschule und nicht als Mitgestalter begreifen sollen; Stress und Leistungsdruck in überfrachteten Bachelor-Studiengängen: Es gibt viele gute Gründe, um zu protestieren”,  sagt Dobischat.

Der DSW-Präsident weiter: “Zwar hat die Politik jetzt glücklicherweise unter anderem den Hochschulpakt II für zusätzliche Studienplätze auf den Weg gebracht. Wir brauchen aber dringend eine breite gesellschaftliche Debatte über die Qualität der Hochschulbildung und die Studienbedingungen an unseren Hochschulen. Ich wünsche mir, dass der Bildungsstreik die Studierenden mobilisiert und eine solche Debatte vielleicht anstößt.”

Stefan Grob
Referatsleiter Presse/Kultur
Stellvertreter des Generalsekretärs
Deutsches Studentenwerk (DSW)
Monbijouplatz 11
10178 Berlin
Tel. 030 29 77 27 20
Mobil 0163 29 77 272
Mailto:stefan.grob@studentenwerke.de

Dies ist ein Überblick der bevorstehenden Aktionen im Rahmen des “Bundesweiten Bildungsstreiks” in Marburg [dieser kann auch als Flyer hier heruntergeladen werden]:

Im Laufe der ganzen Woche:

  • Infostände im öffentlichen Raum
  • Aktionen (z.B. Flashmobs & öffentliche Vorlesungen) in der ganzen Stadt
  • Bildungspolitische Diskussionen in Veranstaltungen der Universität sowie in den Klassenzimmern der Schulen

*** Montag, 15.06.09 ***

  • Bildungsstreik-Camp vor dem HSG
  • 7.30h Schüli – Kick-Off – Flashmob Leopold-Lucas-Straße
  • 10h-14h Seminare “Dialektik der Aufklärung”, “Empire & Multitude” (PhilFak, 05B05)
  • Beginn der Aktion: Freiräume schaffen und nutzen (Bildungsstreik – Camp vorm Hörsaalgebäude [HSG] & Wohnzimmer im Foyer der PhilFak)
  • 14h Vortrag: “Was ist Kritische Wissenschaft?” (HSG)
  • 18h Vortrag: “Open Access” (PhilFak, Hörsaal H);im Anschluss: Konzert mit der Band “Grafitti” und Vokü im Innenhof
  • 22h “Fucking Bachelor – Party” (Trauma)

*** Dienstag, 16.06.09 ***

  • Bildungsstreik-Camp vor dem HSG & “Wohnzimmer” in der PhilFak
  • Vollversammlungen in den Schulen (vormittags)
  • 14h Transparente malen vor dem HSG
  • 16h Vollversammlung an der Uni (HSG, Audimax)

*** Mittwoch, 17.06.09 ***

  • Bildungsstreik-Camp vorm HSG & “Wohnzimmer” in der PhilFak
  • 12.30h Kundgebung & Bündnisdemonstration (HSG, Studis)
  • 13.15h Bündnisdemonstration (Leopold-Lucas-Straße, Schülis)
  • 19h After-Demo-Party (Knubbel)
  • 20h Film: “Kick it like Frankreich!” (Gutenbergstr. 18 [Dekanatssaal])

*** Donnerstag, 18.06.09 ***

  • Bildungsstreik-Camp auf den Lahnwiesen
  • Tag des zivilen Ungehorsams (Aktionen überall in der Stadt)
  • DGB-Mindestlohn-Truck (an der E-Kirche)
  • 12h Diskussionsrunde: “Ist eine andere Schule möglich?” (alter Botanischer Garten am See)
  • 13h Attac-Aktion auf dem Marktplatz
  • 14h Vortrag: “Hochschule im Wissenskapitalismus” (HSG)
  • 16h Veranstaltung: “Der Bologna-Prozess” (HSG – Hörsaal 116)
  • 18h Vortrag: “Kritische Wissenschaft an der Universität” (Ort: noch unklar [n.u.])
  • 18h Veranstaltung: “Was kann die biologische Forschung über Geschlechterunterschiede aussagen? Kritische Anmerkungen aus der Genderperspektive am Beispiel der Gehirnforschung” (HSG – Hörsaal 116)
  • 19h Veranstaltung: “Perspektiven linker Hochschulpolitik” (Havanna 8)
  • 20h Aktion: “Wie arbeiten politische Gruppen in Marburg?” (Öffentliche AgF-Sitzung am Marktplatz; Themen: Migration und Diskrimination in der gegenwärtigen “Krise”)

*** Freitag, 19.06.09 ***

  • Bildungsstreik-Camp auf den Lahnwiesen
  • Aktionen zum “10. Jahrestag der Bologna-Erklärung”
  • Kultusministerkonferenz (KMK) in Berlin “…wir kommen auch!” (evtl. fahren Busse)
  • 13h Veranstaltung: “40 Jahre ’68 – Was man von der Revolte von gestern für morgen lernen kann” (Ort: n.u.)
  • 14h Ringvorlesung in der Buslinie 7
  • 15h Workshop: “Einführung in die Hochschulpolitik – Möglichkeiten, Perspektiven, Ziele” (Ort: n.u.)
  • 17h Veranstaltung: “Persuasive Communication – Wie durch Sprache Macht ausgeübt wird” (Ort: n.u.)
  • 22h Eröffnungsparty des globalisierungskritischen Filmfestivals “Globale” (Café Amélie, Gießen)

*** Samstag, 20.06.09 ***

  • Globalisierungskritisches Filmfestival “Globale” (Kinos in Marburg, Gießen, Wetzlar und Gladenbach)
  • 14h Workshop: “Evaluation und Perspektiven. Wie weiter – von lokal bis international?” (Bildungsfest auf den Lahnwiesen)
  • 20h Vortrag: “Strukturen im Medizinbetrieb konträr zu kritischer Wissenschaft?” (Ort: n.u.)

Seit mehreren Jahren, hauptsächlich seit der Umstellung der Studiengänge von Diplom/Magister auf Bachelor/Master, sind Anwesenheitslisten an der Universität verhasste Realität – verhasst sowohl von Seiten der Studis wie von Seiten der Lehrenden.

Nun sorgt eine Aktion in Marburg für Aufsehen: Die Aufforderung auf einem Flyer, besagte Kontrollinstanz massenhaft einzustecken. Zumindest an der Philosophischen Fakultät scheinen tatsächlich immer mehr Studis die Listen einfach mitgehen zu lassen. Und nun ist auch noch ein Video dazu auf youtube aufgetaucht:

Anwesenheitslisten scheint also tatsächlich jede+r klauen zu können ;-)

Im zur Aktion gehörigen Flyer heißt es:

“Was ist Studium? Studium ist das Interesse an den uns umgebenden Dingen. Wenn ich selbst über mein Studium entscheiden will – also was   mich   interessiert,   was   relevant   ist,   worin   ich   Arbeit investieren will – dann fängt das mit meiner Entscheidung an, eine Veranstaltung   zu   besuchen   oder   auch   nicht.   Anwesenheitslisten sind der  erste  Schritt   zum  verschulten,   langweiligen,   stressigen und Dienst-nach-Vorschrift-Studium.
Deswegen klaue ich ab jetzt Anwesenheitslisten!!!
Und ihr seid alle aufgerufen mit zu machen! Die 3 bis zum 17. Juni besten   Anwesenheitslistendiebe   (keine   Angst,   es   ist   nicht strafbar)   bekommen   ein   Bildungsstreik-T-Shirt   und   eine Überraschung, alle anderen kriegen auch was!
So   geht’s:  Überall   Listen   einstecken,   zur   Demo   am  17.   Juni kommen und absahnen!
Ich unterschreibe nicht!”

In den letzten Tagen war das Gerücht im Umlauf, dass sich sogar das Präsidium schon mit dem Thema beschäftigt hätte – daher hier der Aufruf ans Präsidium: Reagieren Sie mit Verständnis, nicht mit Repressionen! Versuchen Sie den gegenwärtigen Tendenzen der Verschulung von Studiengängen entgegen zu wirken und bestrafen Sie die Studierenden nicht mit weiteren gemeinen Kontrollinstanzen. Diese führen anders als oft verkündet nämlich nicht zu einer höheren Teilnahme, sondern zu mehr Frustration und höheren Abruchquoten. Klausuren am Semesterende (auch in Vorlesungen) sind zwar in vielen Fachbereichen schon bittere Realität, jedoch zeigen sie nur eines: die Unfähigkeit vieler Lehrenden tatsächlich interessante Themen anzubieten sowie auf ihre Studis einzugehen.

Verehrtes Präsidium der Uni Marburg: Sie könnten die Studierenden der Universität entlasten, indem Sie alle Lehrenden dazu aufrufen, für dieses Semester weder Anwesenheitslisten noch Klausuren zu verlangen!

PS: Das Video ist auch unter dem Suchbegriff “Anwesenheitslisten” zu finden.

Pressemitteilung

03.06.09, Münster

SchülerInnen des Pascal-Gymnasiums stimmen mit überragendem Ergebnis für Bildungsstreik

Am heutigen Mittwoch haben Schülerinnen und Schüler des Pascal-Gymnasiums in Münster über die Teilnahme am bundesweiten Bildungsstreiks 2009 abgestimmt.
Von 777 Abstimmenden stimmten 643 (82,8 Prozent) mit Ja,  31 (3,9) stimmten mit Nein und 103 (13,3 Prozent) SchülerInnen haben sich enthalten. Damit haben sich die SchülerInnen mit einer überwältigen Mehrheit für Streik ausgesprochen. Damit werden die SchülerInnen des Pascal-Gymnasiums am 17. Juni 2009 in den Ausstand treten.

Drei Vollversammlungen
“Erst wollen wir euch erklären, was der Bildungsstreik ist, dann stellen wir euch die Forderungen vor und dann werden wir über die Teilnahme am Bildungsstreik abstimmen”, sprach die SchülerInnenvertretung zu Beginn des Vollversammlungsmarathons in der Aula des Pascal-Gymnasiums. Insgesamt gab es drei in Klassenstufen aufgeteilte SchülerInnen-Vollversammlungen, in denen der Bildungsstreik vorgestellt wurde.

Vorstellung des Bildungsstreiks
In der Vergangenheit hätte es zwar von Seiten der Studierenden Proteste gegen Studiengebühren und für ein gerechteres Bildungssystem gegeben. Auch ein Schulstreik habe stattgefunden, so die SchülersprecherInnen, an diesem habe Münster aber leider nicht teilgenommen. Nun sei deshalb Zeit gemeinsam auf die Straße zu gehen und für eine bessere Bildung zu demonstrieren. Dafür lohne es sich auch “Fehlstunden zu kassieren”.

Schülervertretung stellt Forderungen vor
“Wir wollen die Korrektur von G8, die Abschaffung der Kopfnoten, die Abschaffung des mehrgliedrigen Schulsystems, weniger Leistungsdruck und qualifizierte LehrerInnen”, so stellte die SchülerInnenvertretung des Pascal-Gymnasiums den SchülerInnen die Forderungen vor, welche die SV für den Bildungsstreik ausgearbeitet haben. “Und wir wollen mehr Mitbestimmung. Wir wollen die Drittelparität zurück.”

Doch nicht nur die Schülervertretung, auch der Rektor des Pascal-Gymnasiums kam während der Vollversammlung zu Wort: “Natürlich hat jeder Mensch in Deutschland das Recht, seine Meinung zu äußern. Allerdings nicht uneingeschränkt und nicht in der Unterrichtszeit”, sprach Rektor Lübbering, und ergänzte: “Lehrer und Schüler können nicht einfach streiken. Wer am Streik teilnimmt, muss mit Sanktionen rechnen. Wir sind dazu verpflichtet, ganz normal Unterricht anzubieten. Auch eure Eltern können euch nicht entschuldigen”, so Lübbering über die Gefahren des Bildungsstreiks auf.

“Wenn alle gehen…”
Die SchülerInnen zeigten sich teilweise empört über diese Regelung. Manche schlugen gar vor, die Schulordnung geschickt zu umgehen und die Teilnahme am Bildungsstreik als Schulausflug zu deklarieren.
“Wenn wir alle zur Demonstration gehen und alle die gleichen Fehlstunden haben, spielen die Fehlstunden keine Rolle mehr”, meinte ein an der Vollversammlung teilnehmender Schüler. “Außerdem gab es bei der Demonstration gegen den Irak-Krieg auch keine Fehlstunden”, konterte die SchülerInnenvertretung.

SchülerInnenvertretung jubelt über Ergebnis
Die SchülerInnenvertretung freute sich über das Abstimmungsergebnis. “Wir sind begeistert und freuen uns auf die Demonstration am 17. Juni”, so Josha Thiele, Schülervertreter am Pascal-Gymnasium.
Der letzte Schülerstreik am Pascal-Gymnasium ist geschätzte 16 Jahre her.
In nächster Zeit werden auch am Annette von Droste-Hülshoff Gymnasium und am Schiller Gymnasium Vollversammlungen und Abstimmungen über den Bildungsstreik stattfinden.

Heute demonstrierten 250 Erzieherinnen und Erzieher in Münster für eine bessere Ausstattung der Kindertagesstädten, mehr Lohn, eine ausreichende Gesundheisversorgung und mehr Anerkennung für ihre berufliche Leistung. “Gesundheit war gestern, Burnout ist heute” oder “Bildung nicht zum Nulltarif” stand auf ihren Transparenten zu lesen.

Nach einer Abschlusskundgebung vor dem Stadthaus I entschlossen sie ihren Forderungen durch die Stürmung des Rathausteils Nachdruck zu verleihen. Mit dabei: das unabhängige Fachschaften Forum (uFaFo) und SchülerInnen sowie Studierende der Bildungsstreik-Initiative 2009.

Artikel: HaltenerZeitung.de

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