Monthly Archive for Mai, 2009

Lokale Forderungen (aktuell)

1. Allgemeines

  • Bildung ist Menschenrecht, nicht Ware!!! 3 beispielhafte Unterpunkte:
    • weg mit den GATS-Verträgen (internationale Regelung zur Vermarktlichung von Dienstleistungen und u.a. Bildung)
    • weg mit dem Bologna-Prozess (europäische Regelung zur Vermarktlichung von Bildung) und seinen neuen Studienordnungen
    • keine universitäre Orientierung an Drittmittel-Anwerbung der Fachbereiche
  • keine staatlichen Repressionen gegen Streikende!

2. Ziele der Studierenden

  • Ein studentisches selbstverwaltetes Café in der PhilFak!
  • Selbstverwaltete Strukturen für alle! Keine staatlichen Repressionen gegen selbstverwaltete Projekte!
  • Eine kommerzfreie Uni!
  • Bessere Löhne und ein (sicherer) Tarifvertrag für studentische Hilfskräfte!
  • Einführung von Open Access an der Uni in allen Fachbereichen!
  • Keine elektronische Überwachung an öffentlichen Bildungseinrichtungen!
  • Keine “Sonderopfer” (Lehrstellenstreichungen), Besetzung der offen stehenden Stellen!
  • Aufstockung statt Kürzung der finanziellen Mittel für studentische Selbstverwaltungen!
  • Keine Kürzung von Mitteln für die Fachbereiche! keine weiteren Streichungen von Professuren!
  • Keine Anwesenheitslisten mehr! Ersatzloses Verbot von Anwesenheitslisten in allen Fachbereichen!

3. Ziele der Schüler_innen

  • Für das Recht auf einen Ausbildungsplatz nach der Schule!
  • Für eine freie Entscheidung der Schüler_innen zwischen G8 und G9!
  • Für auf G8 angepasste Lehrpläne!
  • Für die Demokratisierung der Schulen, für mehr Mitbestimmungsrechte der Schüler_innen auch in (schul-)politischen Fragen!
  • Für die Mitbestimmung der Schüler_innen bei der staatlichen Schulfinanzierung!
  • Für funktionierende Lehrmittelfreiheit!
  • Für bessere Lernbedingungen!
  • Für die Aufstockung der Schuletats!
  • Für längeres gemeinsames Lernen!
  • Für das Recht auf Mitbestimmung über Unterrichtsinhalte!

4. Ziele von Menschen in Ausbildung

  • Keine Entlassungen! Solidarität mit gewerkschaftlichen Bewegungen!
  • Garantie der Übernahme von Auszubildenden in sichere Beschäftigungsverhältnisse!
  • Gegen die schlechten Bedingungen der Arbeitskräfte im Pflegesektor!
  • Bessere Arbeitsbedingungen für Erzieher+innen, Anerkennung der Arbeit in Kitas auch in finanzieller Hinsicht!
  • Gute Arbeit für alle! Kein Missbrauch von Leiharbeit! Die Auszahlung von Löhnen muss garantiert sein! Keine Verstöße gegen das Tarifvertragsgesetz!

5. Ziele von Lehrer+innen, Eltern und Dozierenden

  • Für eine Bezahlung befristet angestellter Lehrkräfte und von pädagogischem Personal in den Sommerferien!
  • Eine Schule für alle! Alle haben ein Recht auf gute Bildung!
  • Verbesserung der Arbeitsbedingungen in den Bildungseinrichtungen! Geringere Klassen- und Seminargrößen!
  • Weniger Leistungsdruck! Alle leiden unter den bürokratischen Anforderungen eines auf ökonomische Prämissen ausgerichteten Bildungswesens!
  • Für den Erhalt von wohnortnahen Ausbildungsschulen!

Anstehende Termine

Wöchentliches Treffen:

  • der studentische Teil des lokalen Bündnisses trifft sich immer um 18.30Uhr montags im Foyer der Philosophischen Fakultät

“Vernetzungstreffen” mit Bündnispartner_innen:

  • 16.06. [Di.] — 19.30Uhr auf dem “Protest-Camp” vor dem HSG (Biegenstraße)

Eine komplette Übersicht der Termine im Rahmen des Bildungsstreiks in Marburg kann hier abgerufen werden.

Fragen und Anregungen können jederzeit an: bildungsstreik.marburg[at]gmail.com geschickt werden.

Kontakt zur lokalen Gruppe

Einfach ein E-Mail an: bildungsstreik.marburg[at]gmail.com

Der studentische Teil des lokalen Bildungsstreik-Bündnisses trifft sich immer montags um 18.30Uhr im Foyer der Philosophischen Fakultät (Wilhem Röpke Str. 6b).

(wegen Feiertag wird das Treffen am 01.06. in die Räumlichkeiten des AStA [neben der Mensa (Erlenring)] verlegt)

Interessierte (auch nicht-Studis) sind jederzeit willkommen!

Außerdem gibt es einen lokalen Newsletter-Verteiler, worüber ca. wöchentlich die aktuellsten Informationen verbreitet werden. Falls du ebenfalls auf diesen Verteiler möchtest, dann schick uns einfach eine Email oder hinterlasse hier ein Kommentar.

PS: Es gibt auch eine StudiVZ-Gruppe für das lokale Bündnis zum Austauschen und Diskutieren: Bildungsstreik Marburg [wir wollen Menschen nicht dazu ermutigen sich auf dieser Plattform zu registrieren, aber falls ihr eh schon drauf seid...]

[Universität von Dhaka (Bangladesch) am 5.11.2008 im Rahmen des
"International Day of Action against the Commercialisation of Education"]

Bundesweiter Aufruf und Forderungen

 

Bundesweiter Aufruf 

Die derzeitigen Zustände und Entwicklungen im Bildungssystem sind nicht weiter hinnehmbar! Weltweit sind Umstrukturierungen aller Lebensbereiche nicht mehr gemeinwohlorientiert, sondern den sogenannten Gesetzen des Marktes unterworfen. Seit ein paar Jahren ist auch das Bildungssystem in den Fokus solcher “Reformen” geraten: Bildungsgebühren und die Privatisierung treffen uns alle!

Die Finanz- und Wirtschaftskrise zeigt deutlich, dass die Auswirkungen wettbewerbsorientierter Entscheidungskriterien verheerend sind. In vielen Ländern protestieren Menschen dagegen, so z.B. in Mexiko, Spanien, Italien, Frankreich und Griechenland. In diesem internationalen Zusammenhang steht der Bildungsstreik 2009.

Der anhaltende Protest gegen Studiengebühren und Sozialabbau in den letzten Jahren hat bei den Verantwortlichen in Medien, Wirtschaft und Politik zu wenig Wirkung gezeigt. Deswegen rufen wir nun dazu auf, unsere demokratischen Rechte in Form eines bundesweiten Bildungsstreiks wahrzunehmen. Hier werden pluralistische Aktionsformen (Demonstrationen, Blockaden, Besetzungen etc.) ihren Platz finden. Während einer bundesweiten Aktionswoche vom 15.-19.06.2009 werden wir gemeinsam mit Schülerinnen und Schülern im gesamten Bundesgebiet demonstrieren. Wir suchen das Bündnis mit vielen gesellschaftlichen Gruppen, wie Gewerkschaften und sozialen Bewegungen, die wir ausdrücklich einladen, mit uns zu protestieren, denn wir sind überall mit der gleichen Politik konfrontiert: An der Hochschule, in den Schulen und im Betrieb.

Ziel des Bildungsstreiks ist es, eine Diskussion zur Zukunft des Bildungsystems anzuregen. Des Weiteren sollen Möglichkeiten einer fortschrittlichen und emanzipatorischen Bildungs- und Gesellschaftspolitk aufgezeigt und durchgesetzt werden. Dem Einfluss der maßgeblichen politischen und ökonomischen Interessen im Bildungsbereich setzen wir unsere Alternativen entgegen:

~ selbstbestimmtes Lernen und Leben statt starrem Zeitrahmen, Leistungsdruck und Konkurrenzdruck;

~ freier Bildungszugang und Abschaffung von sämtlichen Bildungsgebühren wie Studiengebühren, Ausbildungsgebühren und Kita-Gebühren;

~ öffentliche Finanzierung des Bildungssystems ohne Einflussnahme der Wirtschaft unter anderem auf Lehrinhalte, Studienstrukturen und Stellenvergabe;

~ Demokratisierung und Stärkung der Mit- und Selbstverwaltung in allen Bildungseinrichtungen.

Wir, die Projektgruppe Bildungsstreik 2009, rufen zur Bildung regionaler und lokaler Bündnisse auf. Bringt Euch in unsere bundesweiten Planungen ein: Ein anderes Bildungssystem ist möglich – und dringend nötig!

Projektgruppe Bildungsstreik 2009

Liste der Unterstützer_innen

 

Bundesweite Forderungen

Forderungen der Studierenden:

Weltweit ist Bildung im Wandel: Das humanistische Ideal einer zur kritischen Reflexion befähigenden, gemeinwohlorientierten Bildung wird zurückgedrängt. Stattdessen wird Bildung den Bedürfnissen des Marktes angepasst und damit selbst mehr und mehr zur Ware. Global sind es die GATS-Verträge, in Europa der Bologna-Prozess, die den Kern solcher Reformen bilden. Doch weltweit regt sich Widerstand. In diesem Zusammenhang steht der bundesweite Bildungsstreik vom 15. bis 19. Juni 2009. Deshalb fordern wir:

Soziale Öffnung der Hochschulen

~ den Abbau von Zulassungsbeschränkungen durch den Ausbau von Studienplätzen!

~ die Abschaffung von Studiengebühren und die gesetzlich verankerte Gebührenfreiheit von Bildung!

~ die finanzielle Unabhängigkeit der Studierenden – ohne Kredite!

~ die Abschaffung jeglicher Diskriminierung, auch in ihrer institutionalisierten Form gegenüber ausländischen Studierenden!

Abschaffung von Bachelor/Master in der derzeitigen Form

~ die Abkehr vom Bachelor als Regelabschluss!

~ das Ende von Verschulung, Regelstudienzeit und Dauerüberprüfung!

~ die Möglichkeit individueller Schwerpunktsetzung im Studium!

~ die tatsächliche Umsetzung der Mobilität zwischen den Hochschulen!

Demokratisierung des Bildungssystems

~ den Abbau von wirtschaftlichen Zwängen im Bildungsbereich!

~ die Mitbestimmung aller Beteiligten im Bildungssystem, u.a. durch Viertelparität in den Hochschulgremien!

~ die Einführung verfasster Studierendenschaften mit politischem Mandat in allen Bundesländern!

Verbesserung der Lehr- und Lernbedingungen

~ die Umsetzung freier alternativer Bildungskonzepte!

~ die Beendigung prekärer Beschäftigungsverhältnisse im Bildungsbereich!

~ die Aufstockung des Lehrpersonals auf ein pädagogisch tragbares Niveau! Dazu sind in den nächsten drei Jahren mindestens 8.000 Professuren, 4.000 Mittelbaustellen und 10.000 Tutor_innenstellen neu zu schaffen!

~ die Förderung aller Studierenden statt einseitiger Elitenbildung!

~ die Einheit von Forschung und Lehre statt der Exzellenzinitiative!

Diese Forderungen werden von vielen Menschen geteilt, weil sie uns der Verwirklichung des Menschenrechts auf Bildung näher bringen. Für eine tatsächliche Demokratie ist unsere Forderung nach einem frei zugänglichen, öffentlich finanzierten und emanzipatorisch ausgerichteten Bildungssystem unerlässlich. Derzeit geht es durch die Ökonomisierung der Bildung in eine andere Richtung: Die Hochschulen sind zunehmend abhängig von der Wirtschaft, ihre Funktion in der Gesellschaft hat sich gewandelt. Das ist kein Zufall! Bildung wird den Gesetzen des Marktes unterworfen; Konkurrenz reproduziert soziale Ungleichheit und Verwertungslogik. Um unsere Forderungen durchzusetzen bedarf es daher letztlich gesamtgesellschaftlicher Veränderung.

 

Selbstverständnis und Forderungen der Schüler_innen:

Selbstverständnis:

Die Situation an den Schulen ist miserabel, viel zu große Klassen, soziale Selektion und wachsender Leistungsdruck machen Schule zu einer verhassten Pflichtveranstaltung.
Im November 2008 gingen bundesweit über 100.000 Schüler_innen für eine ganz andere, bessere Bildung auf die Straßen. Seitdem hat sich im Bildungssystem jedoch noch nichts verändert! Deshalb wird unser Protest auch 2009 weitergehen!
Wir sind eine freie, unabhängige und überparteiliche Bewegung, welche sich die grundlegende Veränderung des maroden Bildungssystems zum Ziel gesetzt hat. Wir setzen uns zusammen aus lokalen Bündnissen, welche sich bundesweit koordinieren.
Wir solidarisieren und Vernetzen uns mit Schüler_innen, Studierenden, Auszubildenden, Lehrer_innen, Eltern und allen anderen Bewegungen, die sich für eine bessere Bildung einsetzen!

Forderungen:

~ Eine Schule für Alle – Weg mit dem mehrgliedrigen Schulsystem

~ Kostenlose Bildung für Alle

~ Mehr Lehrer_innen, kleinere Klassen

~ Beendet den Einfluss der Wirtschaft auf die Schulen!

~ Gegen Schulzeitverkürzung! Wie dem G8-Abitur!

~ Schluss mit Repressionen gegen Schüler und Schülerinnen

~ Für eine Demokratisierung des Bildungssystems!

schulaction.org

Quelle: bildungsstreik2009.de

Nächstes Treffen

Vernetzungstreffen:
Donnerstag den 28.05.2009
18Uhr im Haus der Jugend (FrankfurterStr.)


Bildungsstreiktreffen:

Montag den 25.05.2009
18:30Uhr in der Philfak

Bundesweitesvernetzungstreffen:
22. bis 25. Mai 2009

WO?
Hamburg, Campus Berliner Tor, Berliner Tor 5

ANREISE:
ÖPNV: vom hauptbahnhof in U3, S1, S21 steigen, 1 station fahren,
Ausgang Westphalenweg raus. Straße: Berliner Tor lang laufen, bis rechts
ein Gebäude in Form eines großen blauen Würfels kommt, da rein. wird
ausgeschildert.

UHRZEIT:
Fr. ab 17 uhr abendbrot -
Fr ab 18 uhr Auftaktplenum
> der weitere Zeitrahmen und Inhalt des Wochenendes wird auf dem
Auftaktplenum besprochen.

RÄUME:
es gibt einen großen plenumsraum und ca 8 seminarräume,
sowie die räumlichkeiten des asta,
wir versuchen w-lan zugang hinzubekommen

ESSEN:
Fr Abend gibts, brot und schufstrich
Sa abend, so mittag gibts warmes essen (vegan)

SCHLAFEN:
es gibt eine turnhalle, nahe des HAW-campus,
schlafssäcke und isomatten müsst ihr selber mittbringen.

fragen an tobias.wollborn@haw-hamburg.de oder tilmy.alazar@gmx.de

Uni-Proteste in Frankreich

“Das ist nicht mehr lustig!”
Seit Monaten stehen die französischen Unis im Streik. Doch Präsident Sarkozy nimmt seine Reformpläne nicht zurück und die Blockade fällt auf die Studenten zurück: Sie könnten ein Studienjahr verlieren. Die deutschen Gaststudenten schwanken zwischen Ärger und Faszination.

Von Angela Ulrich, SR-Hörfunkstudio Paris

Eva hat die Nase voll. Verbarrikadierte Hörsäle, Demos statt Vorlesungen, Sit-ins statt Studium – so hat sich die 22-Jährige aus Bonn ihr Auslandsjahr in Paris nicht vorgestellt: “Es ist total nervig. Es ist auch nicht mehr in dem Sinne spannend, dass man sagt: Ich bekomme wenigstens die französische Streik-Kultur hautnah mit! Das ist nicht mehr lustig”

Sorbonne-Studenten protestieren gegen Sarkozys Bildungspolitik (Foto: AP)
[Bildunterschrift: Gegen den Ausverkauf des Bildungssystems gehen die Studenten auf die Straße und müssen nun um ihre Prüfungen bangen. ]

Eva wollte eigentlich ihren Bachelor-Abschluss in Paris in deutsch-französischen Studien machen. Der ist jetzt in Gefahr. Auch Kommilitonin Sabrina aus Essen hat die Sorbonne bisher kaum von innen gesehen. Die Erasmus-Studentin findet es schon einigermassen bizarr, dass die Uni seit ihrer Ankunft im Februar gerade einmal eineinhalb Wochen geöffnet war. “Sonst war immer der Strom abgeschaltet. Die Türen zum Campus waren abgeschlossen. Man kam über nicht zum Studieren!”

Vereint gegen Präsident Sarkozy

Blockade, Randale, sogar Tränengas-Einsätze der Polizei – schon mehr als drei Monate dauern die Hochschul-Proteste in Frankreich an. Zeitweise war jede zweite Uni im Land betroffen – komplett dicht oder in Teilen lahmgelegt. Derzeit sind noch gut 15 Hochschulen im Streik. Dabei ziehen Studierende und Dozenten an einem Strang – gegen die Hochschulpolitik der Regierung. Präsident Nicolas Sarkozy will die Unis eigenständiger und konkurrenzfähiger machen. Sie sollen verstärkt selbst auf Suche nach privaten Finanzierungsmitteln gehen. Viele Studenten sehen darin einen Ausverkauf des Bildungssystems.

Für Eva aus Bonn ist das nur teilweise nachvollziehbar: “Ich kann zwar verstehen, dass das für die französischen Studenten sehr wichtig ist. Es geht um deren Zukunft. Andererseits gibt es extreme Leute, die während der Vorlesung in den Hörsaal rennen, pfeifen, schreien und “Sorbonne en grève” rufen. Dafür habe ich dann nicht mehr viel Verständnis!”

Ein Studienjahr ohne Prüfungen?

Doch langsam bröckelt die Streikfront. Denn immer mehr Studenten fürchten um ihre Prüfungen und damit um das gesamte Studienjahr. Das macht auch Eva zu schaffen: “Wir hängen in der Schwebe. Es wird eine Verschiebung der Klausuren auf September diskutiert. Aber ich kann nicht nochmal wiederkommen, weil ich da ein Praktikum mache und meinen Master anfangen möchte. Das geht aber natürlich auch nur mit dem Abschluss.”

Polizisten stürmen ein Gebäude der Sorbonne, das Studenten besetzt halten. (Foto: dpa)
[Bildunterschrift: Polizei in der Sorbonne - Mitte Februar stürmten Einsatzkräfte Gebäude, die die Studenten besetzt hielten. ]

Sarkozy seinerseits will hart bleiben. Ohne reguläre Prüfungen soll das Uni-Jahr nicht angerechnet werden. Der Appell von Hochschul-Präsidenten auf einen “Blankoscheck” für alle Studierenden, ob im Ausstand oder nicht, verhallte bisher ungehört. Eva aus Bonn hofft nun darauf, dass ihre Uni in Deutschland ihr notfalls den Bachelor auch nach einem Streiksemester in Paris anerkennt. “Abwarten!”, hat das Pariser Erasmus-Büro auch Sabrina aus Essen geraten. Die 22-Jährige nimmt es inzwischen gelassen und mit Humor: “Es wäre zwar schade, wenn mir jetzt keine Kurse angerechnet werden, aber die kulturelle Erfahrung hier in Paris wird mir keiner mehr nehmen können. Egal, ob Streik oder nicht Streik!”

Kollege Cornelius aus Köln genießt den Streik sogar: “Ich studiere, um möglichst viele Erfahrungen in meinem Leben zu machen. Die verbinden sich hier zu einem Konglomerat, das ich mit Vorliebe in mich aufsauge und mit nach Deutschland zurücknehmen werde!”

Quelle: tagesschau.de

*Pressemitteilung der Initiative Bildungsstreik Marburg*

Die derzeitigen Zustände und Entwicklungen im Bildungssystem sind nicht länger hinnehmbar! Jeden Tag finden in nahezu allen
Lebensbereichen Umstrukturierungen statt, die nicht am Gemeinwohl orientiert sind, sondern den „Gesetzen des Marktes“ folgen. Die
Maximen heißen Effizienz und Profit! Wir lassen es uns nicht mehr gefallen, dass *Mittel für Bildung*, an Schulen, Hochschulen und den
vielen anderen Einrichtungen, immer stärker gekürzt werden, während für Militär, Autobahnen, Banken weiterhin mehr als genug da zu sein
scheint. Wir lassen es uns nicht mehr gefallen, dass uns Jugendlichen und Kindern unsere *Chancen auf eine gerechte Behandlung in dieser
Gesellschaft* genommen werden, indem Ausbildungsplätze verloren gehen und unbezahlte Praktika und Arbeitslosigkeit für viele die Realität nach der Ausbildung sind. Wir lassen es uns nicht länger gefallen, dass immer * weniger Möglichkeiten für selbst bestimmtes Lernen*
bleiben, dass wir auf eine Funktion innerhalb der Ökonomie degradiert werden, indem nur noch Noten und Zeugnisse zählen, indem der Druck immer stärker zunimmt. Die Folgen dieser Misere sind: Perspektivlosigkeit, Krankheit, Minderwertigkeitsgefühle, Depressionen.

„a

Die Finanz- und Wirtschaftskrise zeigt deutlich, dass die Auswirkungen wettbewerbsorientierter Entscheidungskriterien verheerend sind.
Deswegen protestieren in vielen Ländern Menschen dagegen, so z.B. in Mexiko, Spanien, Italien, Griechenland und den USA.“ sagt Jonas Schramm, Mitglied der Bildungsstreik-Initiative Marburg. Er fügt hinzu:
*„Wir sind international!“*
Wir fangen gerade erst an uns zu wehren, in vielen anderen Ländern gibt es ähnliche Initiativen und Gruppen, mit denen wir uns solidarisieren. Zum Beispiel mit den Studierenden, welche schon seit dem 20. April in ganz Kroatien und seit vielen Monaten in ganz Frankreich Universitätsgebäude besetzt halten, um sich gegen die Kommerzialisierung öffentlicher Bildung zu
wehren. Auch die zur Zeit streikenden Erzieher_innen der Kitas in Deutschland sind ein Opfer dieser Politik mit welchen wir uns ausdrücklich solidarisieren.Wir sind viele: Viele Basisgruppen, Gewerkschaftsgruppen , Eltern-, Schüler_innen-, sowie Studierendenvertretungen etc. *Wir werden am 17.06.09 demonstrieren, überall in Deutschland*, in allen Städten und in Workshops, aktiven Runden und öffentlichen Auftritten beweisen, dass eine andere Bildung möglich ist. Wir rufen alle Menschen in Marburg und dem gesamten Bundesgebiet dazu auf, sich mit der Bildungsstreik-Bewegung zu solidarisieren, an unseren Protesten teilzunehmen und selbst aktiv zu werden:

a

Kommenden Mittwoch, den 20.05.2009 wird es zum zweiten mal ein Bündnistreffen zwischen allen interessierten Menschen und Vertretungen um 18 Uhr in der Mensa (Erlenring 5) geben. Alle sind herzlich eingeladen vorbeizukommen. Für Studierende ist u.a. am 16.6.09 eine Vollversammlung des AStA Marburg geplant, SchülerInnen treffen sich in ihren SchülerInnenvertretungen und Eltern motivieren ihre Kinder zum Demonstrieren.

**Ein anderes Bildungssystem ist möglich – und dringend nötig!**

*Die Initiative Bildungsstreik Marburg*

a

a
E-Mail: bildungsstreik.marburg@gmail.com
http://www.bildungsstreik.tk(lokale Seite, im Aufbau befindlich)
http://www.bildungsstreik2009.de (bundesweite Seite)

UNI-PROTESTE IN FRANKREICH

Kein Diplom für renitente Studenten

Seit Monaten rumort es an Frankreichs Unis, Studenten und Professoren begehren gegen Hochschulreformen auf. Jetzt will der Bildungsminister militanten Boykotteuren die Abschlüsse verweigern: Es werde keinen “Doktor in Blockade” geben, so Xavier Darcos.

Der Geist der Rebellion an Frankreichs Universitäten war bislang nicht klein zu kriegen. Seit Monaten schon legen Studenten immer wieder Uni-Veranstaltungen lahm, auch Professoren und Assistenten gingen auf die Straße gegen die Reformen von Bildungsminister Xavier Darcos und Hochschulministerin Valérie Pécresse. Seit 15 Wochen versammeln sich täglich Reformgegner auf dem Pariser Rathausvorplatz und wandern schweigend im Kreis.

Immer noch ist der Lehrbetrieb an vielen Universitäten gestört, zahlreiche Institute bleiben blockiert, an einigen Universitäten bleiben die Studenten komplett zu Hause. Jetzt greift die französische Regierung zu härteren Bandagen: Angesichts der anhaltenden Proteste will sie militanten Studenten die Abschlüsse verweigern.

“Wir werden denjenigen, die dafür verantwortlich sind, dass die Universitäten nicht funktionieren, keine Diplome geben”, sagte Bildungsminister Xavier Darcos am Montag dem Radiosender RTL. Die andauernden Blockaden schadeten vor allem den schwächsten Studenten wie denjenigen, die sich ihr Studium selbst finanzierten.

Professoren drohen mit Notenboykott

“Nehmt euch in Acht”, warnte Darcos die militanten Demonstranten. Die öffentliche Meinung ändere sich, die Studenten unterstützten die Blockaden nicht mehr. Es werde weder einen “Doktor in Blockade” noch einen “Master in Petition” geben.

Nun drohen auch Professoren: Sie kündigten einen Notenboykott und einen Boykott der Teilnahme an Abitur-Kommissionen an und wollen allen Studenten dieselbe Note erteilen, berichtet das Online-Magazin “Telepolis”. Damit wollen sie erzwingen, dass das umstrittene Regierungsdekret zur Arbeitszeit der Hochschullehrer – Ende April verabschiedet – zurückgenommen wird.

Die französische Regierung scheiterte bislang mit dem Versuch, die Proteste schlicht auszusitzen. Doch die Reformgegner sind ebenfalls weit von ihren Ziele entfernt. Zudem haben Studenten jetzt mit den Folgen der anhaltenden Proteste zu kämpfen: Zehntausende müssen wegen der Unterrichtsausfälle Nachholstunden absolvieren und mit einer Verschiebung von Prüfungen rechnen. Partneruniversitäten in den USA stornieren bereits ihre Austauschprogramme und erkennen das Auslandssemester in Frankreich wegen fehlender Leistungsnachweise nicht an, berichtet die “Frankfurter Allgemeine Zeitung”.

Die Protestbewegung ging von Dozenten aus, weitete sich dann aber auf die Studenten aus. Sie richtete sich gegen das “Gesetz über die Autonomie an Universitäten”, das kurz nach der Wahl Präsident Sarkozys 2007 beschlossen wurde. Demnach sollen alle 85 Universitäten bis 2012 ihre Finanzmittel, Räumlichkeiten und Lehrpersonal selbst verwalten. “Die Universität ist kein Unternehmen, Bildung ist keine Ware”, lautet das Credo der Demonstranten. Zusätzlich sieht das neue Gesetz vor, die Arbeit der Hochschullehrer durch die Universitätspräsidenten evaluieren zu lassen. Die Reformgegner befürchten auch den Abbau von Stellen.

Neuen Zulauf erhalten die Proteste, seitdem Bildungsminister Darcos angekündigt hat, das Referendarsjahr für angehende Lehrer streichen zu wollen und stattdessen Lehramtsstudenten länger an die Universitäten zu schicken. Anschließend sollen sie nach einer Aufnahmeprüfung ohne pädagogische Vorbereitung in die Klassenzimmer entlassen werden.

(Quelle: Unispiegel)

Vernetzungstreffen am Montag (11.05.) 18 Uhr DGB Haus Marburg

Hallo an alle Interessierten,

am kommenden Montag (11.05.) findet im DGB Haus (Bahnhofstrasse 6) um 18 Uhr ein Vernetzungstreffen statt. Wir wollen uns mit u.a. Gewerkschaftsvertreter_innen, Elternvertreter_innen, Schülervertreter_innen und diversen anderen Gruppierungen zusammen setzen, um über den nahenden Bildungsstreik (15. – 19. Juni) zu diskutieren und uns auszutauschen.

Ihr alle seid herzlich dazu eingeladen :)

Sehen uns am Montag,

Justyna