1. Marburger Forum für Bildung

 

Probleme lassen sich nicht mit den Denkweisen lösen,

die zu ihnen geführt haben.“ Albert Einstein

Es ist schon eine Weile her, dass der Bildungsstreik Marburg in Erscheinung getreten ist. Damals sind Studierende, Schüler_innen, Eltern und anderen Engagierten gemeinsam auf die Strasse gegangen, um ihren Unmut über Probleme im Bildungssystem lautstark in die Gesellschaft zu tragen.

  • Sich zuspitzende Selektion (z.B. durch Zulassungsbeschränkungen und Gebühren)
  • Abbau von Mitbestimmungsmöglichkeiten in der Schule und an der Uni
  • Zunehmend krankmachender Leistungsdruck für alle Beteiligten
  • G8 in den Schulen

Dies sind nur einige Beispiele der von uns bisher ausgemachten Probleme. Freie und selbst bestimmte Bildung für alle ist das Ziel, auf das wir gemeinsam mit allen Interessierten und Engagierten bundes- sowie weltweit hinwirken wollen

Dabei bekam unserer Meinung nach die inhaltliche Auseinandersetzung und Analyse der Probleme nicht die nötige Aufmerksamkeit. Genau an diesem Punkt setzt das 1. Marburger Forum für Bildung unter dem Motto „Wa(h)re Bildung“ an, welches am 20.11.2010 ab 14 Uhr in der Philosophischen Fakultät (Wilhelm Röpke Strasse 6) stattfinden wird. Durch gemeinsames Diskutieren, in Workshops und bei Vorträgen werden wir uns einem besseren Verständnis der Probleme nähern und gemeinsam Lösungsansätze erarbeiten.

Und so möchten wir mit Euch gemeinsam den Nachmittag gestalten:

AUSTAUSCHEN

14:00 Uhr: Begrüßung und fast forward theatre

14:30 Uhr: Get Together! – Gedanken und Erfahrungen in Gruppen

15:30 Uhr: Gemeinsamer Austausch

REFLEKTIEREN

16:00 Uhr: 1. Workshop-Phase

I:      “Transformation der Hochschule” – Diskussion mit Dr. phil. Olaf Jann

II:     “PISA – Kein Grund zur Aufregung” – Präsentaion+Diskussion mit Saskia Rößner & Steffen Lehnert

III:   “Warum Standards den Bildungshorizont reduzieren und  den Weg zur Privatisierung der öffentlichen Schulen bereiten” – Diskussionsrunde mit Erwin Junker & Hans Braun *

17:00 Uhr: Vortrag von Dr. Matthias Burchardt (Universität Köln) -

„Ökonomisierung von Bildung“

18:00 Uhr: fast forward theatre

18:15 Uhr: 2. Workshop-Phase

AGIEREN

19:30 Uhr: Vernetzungsplenum + Lösungsansätze

20:00 Uhr: Konzert – freier Eintritt – (Einzelheiten hier!)

Zusätzlich gibt es durchgängig eine Filmstube (mit Videos zu Bildungsprotesten aus aller Welt), leckeres Essen (VoKü) & Getränke, sowie Infostände.

Auch Du kannst an der Gestaltung des Tages mitwirken, z.B. indem Du eine Diskussion oder einen Workshop initiierst. Bei Interesse einfach eine E-mail an: bildungsforum-mr@gmx.de

 

 

* Als Lehrkräfte einer integrierten Gesamtschule stellt sich uns die Frage: Wollen wir den von uns begonnenen Weg einer Schule für alle, die sich an den Bedürfnissen der Schülerinnen und Schüler orientiert und ihr Curriculum unter diesem Aspekt festlegt, weiter gehen oder wollen wir die gesetzten “Standards” zu einem Schulcurriculum “herunterbrechen”? Beides zusammen geht aus unserer Sicht nicht, denn die Bildungsstandards beinhalten, dass nur ein kleiner Ausschnitt aus dem Bildungshorizont, nämlich der kognitive Bereich, normiert und abgetestet wird. Dies wird unweigerlich dazu führen, dass die miteinander konkurrierenden Schulen und notwendigerweise damit auch die ebenso wie die Lehrkräfte untereinander in Konkurrenz stehenden Schülerinnen und Schüler ihre Kräfte auf diesen Bereich fokussieren, weil eben genau dieser abgeprüft und zu Rankings verarbeitet werden wird. Andere ebenso wichtige Bereiche wie z.B. soziales Denken und Handeln, Kreativität, kulturelle Vielfalt etc. werden an den Rand gedrängt und diesbezügliche Stärken der Schülerinnen und Schüler werden nicht mehr entsprechend gewürdigt.

Man darf “Bildungsstandards” nicht gleichsetzen mit einer neuen Lernkultur, die vom “defensiven Lernen” weg möchte hin zu einem aktiven, selbstgesteuerten Lernen. Für letzteres ist es unerheblich, ob der Lernende ein Ziel erreichen oder eine Kompetenz erwerben möchte. Außerdem sehen wir die Einführung der BS als weiteren Schritt einer Privatisierung der Bildung, die schon 1995 mit dem GATS-Abkommen beschlossen wurde, einem internationalen, multilateralen Vertragswerk der Welthandelsorganisation (WTO), das den grenzüberschreitenden Handel mit Dienstleistungen regelt und dessen fortschreitende Liberalisierung zum Ziel hat. Die Bildung wird dort ausdrücklich als Dienstleistungsbereich eingeschlossen und an den Hochschulen hat der Prozess der Umsetzung längst begonnen. Die Privatisierung von Post und Bahn zeigt, wohin diese “Liberalisierung” führt. Und dass Bildung für Dienstleistungsunternehmen wie z.B. Bertelsmann ein interessanter weil sehr lukrativer Markt ist, muss nicht weiter erläutert werden.

Es ist an der Zeit, dass Pädagogen als die Fachleute für Schule und Bildung den Lobbyisten der in den Startlöchern stehenden privaten Bildungsdienstleister und der Politik Einhalt gebieten, bevor es zu spät ist (siehe Stuttgart, Gorleben etc.). Dazu müssen wir insbesondere auch die Eltern ins Boot holen. Vorher müssen wir Lehrkräfte uns jedoch selber informieren und organisieren.

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